1838 Carl Leberecht Immermann: Münchhausen

Carl Leberecht Immermann (1796-1840) wollte in seinem Roman »Münchhausen« ein kräftiges Bild westfälischer Lebenswirklichkeit zeichnen. Zu diesem Zweck studierte er sorgfältig westfälisches Brauchtum und ging dem uralten Gang der Dinge bei Hochzeiten, Handel und Gewerbe nach. Besonders seine realistischen Schilderungen von Land und Leuten, von Sitten und Zuständen fanden Anklang. Ebenso das Westfalenpathos, wie es der Jäger des Oberhofes verkündet: »Das ist der Boden, den seit mehr als tausend Jahren ein unvermischter Stamm trat! Und die Idee des unsterblichen Volkes wehte mir im Rauschen dieser Eichen und des uns umwallenden Fruchtsegens fast greiflich möchte ich sagen, entgegen.« Zur weiten Verbreitung des Romans trug auch die Idealisierung des Bauerntums in der Gestalt des urwüchsigen Hofschulzen bei. In ihm wurde ein deutsches Lebensbild von echtem Schrot und Korn gesehen, dessen einfache, traditionsbewusste Lebensphilosophie überzeugte. Die in den Roman eingefügten umfangreichen, in der Soester Börde spielenden »Oberhof«-Kapitel wurden später aus dem Roman herausgelöst und bildeten eine Art westfälisches Volksbuch mit vielen folkloristischen Einsprengseln und zahlreichen Auflagen.

Ferdinand Freiligrath bezeichnete den »Münchhausen«-Roman als »die trefflichste Schilderung und Würdigung Westfalens, des Landes und der Menschen, die mir je vorgekommen ist«. Er fühlte sich zu einem eigenen Westfalenbuch inspiriert, dem »Malerischen und romantischen Westfalen« (1841), dessen Bearbeitung allerdings im Wesentlichen Levin Schücking übernahm.

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  • Münchhausen audio/mpeg, 5 MB