1923 Josef Winckler: Der tolle Bomberg

Josef Wincklers Roman »Der tolle Bomberg« avancierte bald nach seinem Erscheinen im Jahre 1923 zu einem Erfolgsbuch. Das kletterte sogar an die Spitze der Bestsellerliste und wurde dort erst im Jahre 1929 von Erich Maria Remarques »Im Westen nichts Neues« abgelöst. Bis heute erreichte der westfälische Schelmenroman eine Auflagenhöhe von über 750.000 Exemplaren. Insgesamt werden über 20 verschiedene Ausgaben des Werkes gezählt, darunter Pracht-, Jugend-, Feld-, Volks-, Miniatur- sowie Taschenbuchausgaben. Zu erwähnen sind weiterhin zwei Verfilmungen mit populärer Rollenbesetzung (unter anderem Hans Albers, Gert Fröbe, Harald Juhnke, Hubert von Meyering).Das Werk verhalf Winckler zum literarischen Durchbruch und bescherte ihm finanzielle Unabhängigkeit. Bis dahin war er in der literarischen Öffentlichkeit vor allem als Industriedichter in Erscheinung getreten, als Verfasser der »Eisernen Sonette« (1914) und Gründungsmitglied der Autorengruppe »Werkleute auf Haus Nyland«. Winckler zählte zu den populärsten Repräsentanten sowohl der rheinischen als auch der westfälischen Literaturszene der 20er bis 50er Jahre. 1953 wurde ihm der Westfälische Literaturpreis zuerkannt. Der Erfolg des tollen Bomberg fußt vor allem auf drei Faktoren: Zum einen war es die Person des enfant terrible Giesbert von Romberg, die seit je die Phantasie der – insbesondere westfälischen – Leser besetzte; jener verschwenderische und großprotzige Baron erscheint in Wincklers Roman als »saftiges Original«, um das sich bald ein regelrechter Bornberg-Mythos rankte. Winckler berief sich zwar auf historisch Verbürgtes, gestaltete dies jedoch frei aus. Zum zweiten waren es die Schnurrigkeit und Deftigkeit des Buches selbst, die die Leser ansprachen. Wincklers Fabuliertalent hatte sich im Bomberg nach Lust und Laune entfalten können, hier erweist er sich als Meister scherzhafter Anekdoten und witziger, zumindest halberfundener Szenerien. Drittens bedient der Roman jenes westfälische »Nationalkolorit«, das damals hoch im Schwange war. Die »Westfalenmode« ausnutzend, avancierte Winckler vom rheinischen Dichter zum westfälischen Volksautor – einer Erfolgsspur, der er mit weiteren Westfalenbüchern treu blieb.

Galerie

Tondokumente

  • Der tolle Bomberg audio/mpeg, 5 MB