Ferdinand Freiligrath (1810-1876) war im 19. Jahrhundert der populärste westfälische Dichter. Seine »Wüsten- und Löwenpoesie« machte ihn über Nacht in ganz Deutschland bekannt. Die kraftstrotzenden, pathosüberschäumenden, in exotischen Gefilden angesiedelten Verse, die im renommierten Cotta-Verlag erschienen, wirkten wie ein Donnerschlag. Adalbert von Chamisso: Seit dieser zu singen begonnen hat, sind wir andern Spatzen. Selbst die Freiligrath reserviert gegenüberstehende Annette von Droste-Hülshoff musste einräumen: »Hier in Norddeutschland sind die Leute ganz wie betrunken von seinen Gedichten; schön sind sie auch, aber wüst.« Mit den späteren politischen Gedichten des Autors haben diese Verse wenig gemein. Dennoch bezeichnete Freiligrath selbst seine erste Schaffensphase später als »im Grunde … revolutionär: es war die allerentschiedenste Opposition gegen die zahme Dichtung wie gegen die zahme Sozietät«. Wegen ihrer offenkundigen poetischen Schwächen und aufgesetzten Schwülstigkeit hatte er freilich, besondere von Heinrich Heine, Spott zu ertragen, der das Gedicht »Der Mohrenfürst« in seinem Versepos »Atta Troll« karikierte. Dennoch erlebte die Ausgabe Neuauflage auf Neuauflage. Es erschienen bis 1903 über 50 Ausgaben. Ermutigt vom finanziellen Erfolg wagte Freiligrath den Sprung in eine freie Literatenlaufbahn und ließ sich 1839 am Rhein nieder.
Tondokumente
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Der Sheik am Sinai audio/mpeg, 5 MB
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Löwenritt audio/mpeg, 5 MB
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Die Trompete audio/mpeg, 3 MB
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Trotz alledem audio/mpeg, 1 MB
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Schwarz-Rot-Gold audio/mpeg, 2 MB
