1917 Gustav Sack: Ein verbummelter Student 1917 (über 20 Auf. in 2 Jahren)

»…immer wird zu beklagen sein, dass das kühn konzipierte Werk Torso geblieben ist, – ein Torso freilich, packender, als so manches Vollendete« – so Thomas Mann über Gustav Sacks (1885-1916) Romanfragment »Paralyse«. Ein Satz, mit dem sich das Gesamtwerk Sacks, das dem Expressionismus nahesteht, überschreiben ließe. Sack war ein literarischer Einzelgänger. Sein Leben und die frühe Wirkungsgeschichte seiner Werke sind ein einziges Desaster. Nicht ein einziges größeres Werk bringt er an den Mann, große Hoffnungen zerplatzen, schlagen in Wut um auf den seiner Meinung nach inzestiösen Literaturbetrieb. Ein »verbummelter Student« – so der Titel eines seiner Romane – bleibt er ein Leben lang. Selbstdiagnose: Untauglich für das wirkliche Leben. Gustav Sack wollte vor allem eines nicht: »Kitsch« schreiben. Und Kitsch war für ihn alles, was der damalige Literaturmarkt abwarf. Der konsequente Autodidakt und »theoretische Anarchist« hielt provokativ dagegen: mit einer suggestiven, vorwärtsdrängenden, direkten, fordernden, anmaßenden, distanzlosen, aus dem Gefühl heraus wie selbstverständlich hingeschriebenen Prosa; mit einer bildkräftigen, gelegentlich elegischen Lyrik (»Abzugskanäle, weil ich sonst nichts Vernünftiges schreiben kann«); mit einer Lebensphilosophie, bei der sich die Widersprüche der Zeit mit der eigenen, von pathologischer Weltuntergangsstimmung gepeinigten Natur überlagern. Sacks Hauptthema war die Selbstvergewisserung im literarischen Text (»Wie Sie sehen, wieder subjektiv… Ich mag… ich kann nicht anders schreiben…«) und eine Generalabrechnung mit der zeitgenössischen Philosophie und Literatur (»Ich pfeife auf das, was sich Geist nennt! Das ist Lug, Mittel, Dunst … Lieber verbauert, als vergeistigt…«). »Der verbummelte Student« ist Sacks bekanntestes Werk. Es kam auf über 20 Auflagen. Die Hauptfigur, Erich Schmidt, laboriert an der Zerrissenheit der Zeit. Er ist ein Weltverachter per se. Er endet im Selbstmord.

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