Bad Driburg

Im Jahre 1796 meldeten sich illustre Gäste im Driburger Kurbad an. Die Flucht vor den Franzosen, die sich Frankfurt näherten, führte dazu, dass der junge Hauslehrer Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Wilhelm Heinse (1746-1803), Bibliothekar beim Mainzer Kurfürsten, in Westfalen – oder, wie Hölderlin abfällig schrieb, im »deutschen Böotien «– Zuflucht suchten (Böotien: griech. Landschaft mit rauhem, ungesunden Klima und Bewohnern, die als derb und schwerfällig galten und sich plump ausdrückten).

Der Aufenthalt in Driburg blieb Hölderlin – trotz anfänglicher Vorbehalte – in angenehmer Erinnerung (was nicht allein daran lag, daß seine Angebetete, Susette Gontard, eigentlich seine Schülerin, bei dem Besuch zugegen war).

»In unserem Bade lebten wir sehr still, machten weiters keine Bekanntschaften, brauchten auch keine, denn wir wohnten unter herrlichen Bergen und Wäldern und machten unter uns selbst den besten Cirkel aus«, heißt es im Oktober 1796 in einem Brief an seinen Bruder.

Die Driburger Landschaft hat er später elegisch verklärt:

»Wir reisten dann / Hinein in andre Gegenden, ins Land / Des Varustals, dort bei den dunkeln Schatten / Der wilden, heil'gen Berge lebten wir / Die Sommertage durch, und sprachen gern / Von Helden, die daselbst gewohnt, und Göttern. / Noch gingen wir des Tages, ehe wir / Vom Orte schieden, in den Eichenwald / Des herrlichen Gebirgs hinaus und standen / In kühler Luft auf hoher Heide nun. / »Hier unten in dem Tale schlafen sie / Zusammen«, sprach mein Vater, »lange schon, / Die Römer mit den Deutschen, und es haben / Die Freigebornen sich, die stolzen, stillen, / Im Tode mit den Welteroberern / Versöhnt, und Großes ist und Größeres / Zusammen in der Erde Schoß gefallen. / Wo seid ihr, meine Toten, all? Es lebt / Der Menschengenius, der Sprache Gott, / Der alte Braga noch, und Hertha grünt / Noch immer ihren Kindern, und Walhalla / Blaut über uns, der heimatliche Himmel; / Doch euch, ihr Heldenbilder, find' ich nicht. / Ich sah hinab, und leise schauerte / Mein Herz, und bei den Starken war mein Sinn, / Den Guten, die hier unten vormals lebten.«

Unter den damals jährlich etwa 60 bis 80 Badbesuchern findet sich eine Reihe von Personen, die in der Literaturgeschichte eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat. Die Fürstin Amalie von Gallitzin (s. Dülmen, Münster, Münster-Angelmodde) berichtete Franz von Fürstenberg (s. Münster) begeistert nach Münster:

»[…] dann große Promenade auf den Bergen, deren Herrlichkeit wahrlich unbeschreiblich ist – komm und sieh! – und die Luft drauf ein bezaubernder stärkender Balsam. Ich, die ich in Münster nicht mehr ohne Ächzen dreimal um meinen Garten konnte, klettere und gehe mit Vergnügen stundenlang darauf herum; Overberg verspürt dieselbe Wirkung.«

An weiteren Gästen sind Sophie von La Roche (1731-1807) und Johann Caspar Lavater (1741-1801) zu nennen.

Das Driburger Bad, das damals nicht gerade ein Modebad der eleganten Welt war, stand in dem Ruf, nicht nur körperliche Gebrechen, sondern auch nervöse Leiden, hypochondrische und hysterische Zustände, zu heilen. Vielleicht war dies ein zusätzlicher Grund dafür, dass die von Kind an nervlich überreizte Annette von Droste-Hülshoff (s. Münster-Nienberge u.ö.) im Sommer 1819 das Bad besuchte. In Briefen an ihre Eltern schilderte sie, sichtlich angetan, den Umgang mit den bedeutenden Personen des Bades. Ansonsten führen diese Briefe auch manche Klage über das ungeheuere Geld, das der Besuch verschlinge. Einmal schreibt sie sogar an ihre Bökendorfer Verwandten:

»Ach liebe Grosmutter und Tanten wenn ihr mir doch wollet ein Bischen Butter schicken, hier zu Lande ist sie sehr theuer und schlecht, […] wenn ihr mir wollet etwas süßes Brod und einen Käse dazu schicken, dann würde ich euch sehr dankbar seyn, […].«

Viel über das Driburger Badeleben ist auch aus den Schilderungen des Badearztes Wilhelm Anton Ficker (1768-1824) zu erfahren. Er gab 1811 und 1816 ein Driburger Taschenbuch mit historischen Darstellungen, Gedichten und Hinweisen für die Badegäste heraus.

Literarische Stätten: An Annette von Droste-Hülshoff erinnert eine Gedenktafel am Gästehaus neben der Trinkhalle, an ihre Novelle Die Judenbuche ein Mosaik in der Trinkhalle; an Friedrich Hölderlin eine Gedenktafel am Postgebäude in der Langen Straße, ein Gedenkstein im Kurpark und ein Mosaik in der Trinkhalle. Für Friedrich Wilhelm Weber (s. Bad Driburg-Alhausen u.ö.), der hier von 1841 bis 1867 als Arzt, später auch als Stadtverordneter und Abgeordneter im Preußischen Landtag tätig war, wurde eine Büste im Rosengarten des Kurparks errichtet und Gedenktafeln am Haus neben der Kirche St. Peter und Paul und am Gasthaus Zum braunen Hirschen in der Langen Straße angebracht, außerdem ein Mosaik mit dem Dreizehnlinden-Motiv in der Trinkhalle.

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