Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen-Buer wuchs Heinrich Maria Denneborg (*1909 Horst-Emscher – †1987 Gelsenkirchen), Theaterwissenschaftler und Bibliothekar, auf. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er für drei Jahre in einem Architekturbüro, besuchte anschließend die Oberrealschule und studierte Theaterwissenschaften in Berlin. Als Kinderbuchautor und reisender Puppenspieler wurde er weltbekannt. In der Künstlersiedlung Halfmannshof in Gelsenkirchen errichtete er eine Puppenspielbühne. Dennebrock war ein vielfach preisgekrönter Kinder- und Jugendbuchautor, Erzähler, Lyriker und Verfasser von Hör- und Fernsehspielen. Seine bekanntesten Kinderbücher sind Das Eselchen Grisella (Berlin 1956) und Jan und das Wildpferd (Berlin 1957).

»Auch Denneborgs Kinderbüchern ist ihre Entstehungszeit anzumerken, da große Konflikte vermieden und Tabuthemen, wie in den siebziger Jahren, nicht aufgegriffen werden, doch so wenig, wie er hier flach pädagogisiert, gaukelt er seinen Lesern eine heile Welt vor. Nicht zuletzt deshalb werden die Geschichten des »Kosmopoliten der Kinderbuchliteratur« noch länger zum Kanon zu empfehlender Kinderliteratur gehören.« (Herbert Knorr)

 

Auf einen bewegten Lebenslauf konnte Eduard Claudius (*1911 Gelsenkirchen-Buer – †1976 Potsdam; Pseudonym: Edy Brendt; richtiger Name Eduard Schmidt) zurückblicken. Der Bauarbeitersohn arbeitete nach einer Maurerlehre als Journalist in ganz Europa. Als Kommunist in Deutschland verfolgt, emigrierte er 1934 in die Schweiz und nahm am Spanischen Bürgerkrieg teil. Mit Hilfe Hermann Hesses entging er, schwer verwundet, der Auslieferung ins nationalsozialistische Deutschland. Nach Arbeitslager und Zuchthaus in der Schweiz wurde er über weitere Lebens-Umwege schließlich Generalkonsul der DDR in Syrien und 1961 Botschafter in Vietnam. Als Erzähler und Dramatiker stellte er mit stilistischer Nähe zur Reportage den antifaschistischen Kampf und die Not im proletarischen Milieu dar.

 

Hinweise: Weitere Autoren mit Bezug zu Gelsenkirchen sind Paul Klose (1899-1968) Heinrich Peters (1858-1917), Philipp Witkop (1880-1942), Theodor Kummer (1857-1938) und Adolf Wurmbach (s. Kronbach) (1894-1964).

In Gelsenkirchen wird seit 1977 zweijährig der Xylos-Literaturpreis für Lyrik vergeben sowie jährlich ein Stipendium der Stadt.

 

Claire Waldoff wurde am 21. Oktober 1884 in Gelsenkirchen geboren. Sie war die erste Kabarettkünstlerin, die in ihre Lieder die soziale Realität ihrer Zeit aufgenommen hat. Bestimmt von ihrer grundsätzlich menschlichen Einstellung wurde sie zur Volkssängerin – geliebt und gefeiert, bis die Nazis sie verstummen ließen.

»Ich bin geboren in Gelsenkirchen, eine Westfälin – aber ich gelte als die klassische Berlinerin, weil ich viele meiner Lieder im berlinerischen Dialekt gesungen habe; – aber das haben sie auch in München verstanden!«

 

Literarische Stätten: Das Archiv der Gruppe Gelsenkirchener Autoren enthält unter anderem Nachlässe und Sammlungen von Josef Büscher (1918-1983), Michael Klaus (*1952), Richard Limpert (*1922) und Liselotte Rauner (*1920).

Die Stadtbücherei Gelsenkirchen (Ebertstraße 19) enthält Sondersammlungen zu Gelsenkirchener Autoren und archivalisches Material zu Josef Büscher, Hugo Ernst Käufer (*1927), Richard Limpert, Liselotte Rauner, Josef Voß (1898-1961) und Otto Wohlgemuth (s. Hattingen).

Ihren Sitz in Gelsenkirchen hat die Paul-Zech-Gesellschaft. Sie will nicht nur Paul Zech (*1881 Briesen/Westpreußen – †1946 Buenos Aires) neu ins Bewußtsein der Öffentlichkeit rücken, sondern vor allem professionelle Autoren gezielt fördern und unterstützen.

Paul Zech, damals bereits schriftstellerisch tätig, verdingte sich 1911 als Kohlenhauer in Bottrop. Über diese Zeit hielt er fest:

»Geschichtlich ist: einige meiner Väter (die anderen waren Pfaffen, Bildschnitzer und Vögte) schürften Kohle. Ich selber kam (nach Leichtathletik, Griechisch und schlechten Examina) über Kant und Nietzsche nicht über den von Ihnen geforderten Versuch: Kohlenhauer unter Kohlenhauern zu sein, hinaus. Es stank nach Schweiß und Leichen, Fusel und Streikdelirien. Doch diese zwei (reichsten!) Jahre: Bottrop, Radbod (400 Brüder zergingen zu Staub!), Mons und Lenz bestimmten: von Machthabern, von Schwerhörigen, Feisten und Blinden – Hellhörigkeit und Güte für alle auf Erden zu fordern. Lange, bevor die Affäre 1918 war. Und Bebel auf unseren Schultern im Triumphkreis schaukelte. – Mitwisser meines ersten Gedichts (ich verantworte diesen Rückzug!) war um 1904 Else Lasker-Schüler. Wuppertaler Stadtnachbarin, dolles Ding, tapferer Kriegskamerad durch 17 Schlacht-Jahre […].«

Josef Reding: »Ähnlich wie im Bereich der Religionen die Konvertiten manchmal den neugefundenen Glauben am stärksten ausdrücken, so verstanden es revierfremde Autoren oft besser als die einheimischen, das Ruhrgebiets-Panorama in allen Einzelheiten zu erfassen.« Zech zählt zu jenen Schriftstellern, die zwar nicht im Ruhr-Revier aufgewachsen sind, aber dennoch zwischen Duisburg und Hagen die ihnen angemessene Landschaft entdeckt haben. […] Die Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet und seinen Menschen bleibt für Paul Zech ein Leben lang bestehen, auch dann noch, als er nach Verbrennung seiner Werke durch die Nazis und einer sogenannten »Schutzhaft« nach Südamerika emigriert, wo er 1946 stirbt.

 

Schauplatz: Hans Rudolf Thiel: Ein Samowar für Gelsenkirchen. Biographischer Roman aus der Gründerzeit des Reviers. Hrsg. von E.H. Ullenboom (Gummersbach 1984).