1788 Bernard Overberg: Neues A-B-C. Buchstabir- und Lesebuch nach der im Hochstift Münster eingeführten Lehrart

Das vorliegende Lehrbuch war ein Auftragswerk. Das Lehrbuch sollte der Landbevölkerung die Grundlagen des Schreibens und Lesens vermitteln, wobei Overberg bei der Gestaltung des Bändchens solches Geschick bewies, dass sich das Buch über Jahrzehnte im Unterricht behauptete. Anreger der Schreibschule war der aufgeklärte Minister und Bildungsreformer Franz von Fürstenberg. Er fand in dem katholischen Geistlichen Bernard Overberg (1745 Höckel bei Osnabrück – 1826 Münster) einen herausragenden Pädagogen, dem später der Beiname »Lehrer der Lehrer« verliehen wurde. Overbergs »Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht für die Schullehrer im Hochstifte Münster« (1793) bildete die Grundlage der Lehrerausbildung im Fürstbistum Münster. Sein »Katechismus zum Gebrauch der größeren Schüler« erreichte im Jahre 1900 die 104., sein »Katechismus zum Gebrauch der kleineren Schüler« 1897 die 107. Auflage.Overberg war einer von vielen Volksaufklärern – in der Hauptsache Pädagogen, Geistliche und Beamte – die seit etwa 1770, begleitend zu institutionellen Reformen (Schulgesetze, verbesserte Lehrerausbildung), als maßgeblicher Förderer des Lesens auftraten. Eine Grundmaxime lautete: »Der Aufgeklärte ist dem Staat zehnmal mehr wert als der Rohe«. Andererseits sollte es mit der Aufklärung nicht zu weit getrieben werden, getreu dem Motto: »Man muß aus Bauern nicht Philosophen, Künstler, Vielwisser machen wollen.« So veröffentlichten die Volksaufklärer vorsorglich »Anweisungen zur richtigen Lektüre«, die über lokale Intelligenzblätter verbreitet wurden, oder schrieb sie gleich selbst. Als Propagandisten des Lesens trugen die Volkspädagogen viel zur Ausbreitung des Lesens bei. Sie hatten damit aber auch unfreiwillig Anteil an der aufkommenden Sucht nach Ritter- und Schauerliteratur. Gegen die restriktiven Lektürevorschriften polemisierte 1802 der Münsterer Autor Franz von Sonnenberg, der dabei auch Overberg aufs Korn nahm: In einer öffentlichen brieflichen Schimpfkanonade ließ er seinem Unmut über die beengte literarische Luft in Münster freien Lauf: »Galliziniaden und travestirte Overbergs und verwandelte Stolberge mönchisiren schon wieder durch's Münstersche Wochenblatt immer mehr in die späteren Klassen hinab; durch's Wochenblatt, diesen Barometer im Narrenhause der Münsterschen Literatur und Thermometer ihrer Censoren unter Aschendorfs Inspektion, der sich und unser Westfalen hier so unverschämt vor Teutschlands Augen an den Schandpranger der Dummheit stellt, und jede Blüthe der Aufklärung, wenn sich eine daher verirrt – für Unkraut ansieht und zertritt. Und nun die lauten Lobprediger dieser Wunderhistörchen sind – die Exjesuiten mit ihren Schülern, die in der Furienhoffnung, gegenwärtig, da sie in Rußland und Österreicht eine Vorgeschichte wittern, sich blähen, sie werden im Triumphe zurückgeführt werden.«

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