1798 Johann Ludwig Ewald: Die Kunst ein gutes Mädchen, eine gute Gattin, Mutter und Hausfrau zu werden. Ein Hausbuch für erwachs

Ein weiterer bedeutender westfälischer Volksaufklärer, diesmal aus dem Lippischen, war Johann Ludwig Ewalds (1747-1822). Eine seiner Programmschriften lautete »Über Volksaufklärung, ihre Gränzen und Vortheile« (1790). Er vertrat darin die Auffassung, dass Volksaufklärung zwar Not tue, andererseits aber nicht überhand nehmen dürfe. Er verfasste außer einem Lesebuch für die Landschulen unter anderem »Die Kunst, ein gutes Mädchen, eine gute Gattin, Mutter und Hausfrau zu werden. Ein Handbuch für erwachsene Töchter, Gattinnen und Mütter«, das es auf vier Auflagen brachte. Darin forderte Ewald – für die damalige Zeit fast revolutionär – für das heranwachsende Frauenzimmer »die Bildung des Geschmacks für alles wahrhaft Schöne in Dichtkunst und Künsten«. Als vorbildlich empfahl er eine Lektüre, die Herzensqualitäten mit ethisch-christlichem Denken verbinde. Dies sei etwa bei Friedrich Gottlieb Klopstock der Fall. Eindringlich warnte er davor, junge Töchter ausschließlich »Kunstwörter« nachsprechen zu lassen. Nur die besten Werke namhafter Dichter sollten gelesen werden und hin und wieder »das Fehlerhafte, Übertriebene, Falschglänzende in anderen Dichtern« gezeigt werden. Solcher literarischer Elementarunterricht könne der »ganzen künftigen Lektüre des Mädchens eine gute Richtung« geben und ihren vermeintlichen Hang, zu den »faden und verderblichen Romanen« zu greifen, eindämmen. Denn, so fügt Ewald an anderer Stelle erläuternd hinzu: »Ihre Einbildungskraft und ihr Herz muß etwas haben, und mir dünkt, sie kann von keiner Seite verlieren, wenn sie eine Idylle von Geßner mit Empfindung liest, wenn ihr bei der Ode von Klopstock das Herz stärker pocht und wenn sie sich auch einmal für eine Stunde auf Stollbergs Insel hinschwärmt.« Allerdings: »Nur daß sie wisse, was ihre Bestimmung und ihr Beruf ist, daß ein Vergnügen nicht zu täglicher Beschäftigung werde, nur daß sie — vernünftig sei.«

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