Der Bielefeld-Jöllenbecker Pfarrer Johann Moritz Schwager war ein weiterer bedeutender westfälischer Volksaufklärer. Mit dem vorliegenden Werk versuchte er, das Wissen über die westfälische Geschichte, Lebensart und Kultur zu vermehren. Auf seiner Reise beobachtete er unter anderem, dass die Lust zum Lesen sehr gestiegen sei, während in seiner Jugend »eine Sortimentsbuchhandlung für diese Länder noch zuviel gewesen« sei. Ziele Schwagers waren es, dem verbreiteten Aberglauben und dem Pietismus entgegenzuwirken. Er selbst fühlte sich dem Gedanken des »Gemeinnützigen« verpflichtet. »Immer will er warnen vor Schäden, erziehn zum Guten. Er schreibt also Tendenzschriften, bei denen es ihm auf die Darstellung nur insofern ankommt, als sie seinem Zwecke dient. Auch seine Romane haben durchaus diese Tendenz. Das ist gewiß ein Fehler, mit dem die Literaturkritik rechten mag. Sie wollen Richtung gebende Volksbücher sein und haben als solche auf ihre Zeit mehr oder weniger eingewirkt.« (Rothert) Schwagers »Werther«-Parodie »Die Leiden des jungen Franken« (1777) sorgte in ihrer Zeit für Aufsehen.Schwagers Aufzeichnungen stellen eine hochrangige volkskundliche, historische und mentalitätsgeschichtliche Quelle dar. Die Reise selbst dauerte etwa vier Wochen und führte den damals 63-jährigen Autor ins Märkische, Bergische und an den Rhein. Seine Tagebuchnotizen und Aufzeichnungen beziehen sich auf kirchlich-religiöse Angelegenheiten und den allgemeinen Zustand der unterschiedlichen Regionen (Vordringen der Aufklärung, von Fortschritt und Technik). Unter anderem fragte er nach den Ursachen für den unterentwickelten Zustand der katholischen Gegenden.
Tondokumente
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Reise durch Westfalen audio/mpeg, 7 MB