Ein Dichter des Untergangs, ein Seelenverwandter Kleists und Hölderlins. Franz von Sonnenberg (1779-1895), Sohn eines Hauptmanns, fühlte sich schon früh zum Dichterberuf bestimmt und entwarf auf dem Gymnasium in Münster, 15-jährig, eine große Epopöe (»Das Weltende«), das, wie es in Meyers Konversations-Lexikon (4. Auflage 1888-1890) heißt, »alle Fehler einer wilden Fantasie, eines regellosen Umrisses und einer schwülstigen Diktion vereint«. Nach dem Studium der Rechte lebte Sonnenberg später zurückgezogen in Jena, wo er an seinem zweiten Epos »Donatoa« arbeitete, das »dergestalt seine ganze Seele erfüllte, dass er Schlaf und Speise, Umgang und jede Lebensfreude dafür aufopferte« und das abermals ein Gemälde des Weltuntergangs darstellt. Der Autor starb 1805 noch vor Erscheinen des Werks durch Selbstmord. »Donatoa« umfasst fast 20.000 Verse. Im Mittelpunkt steht der apokalyptische Engel des Zorns, der oberste Todesengel. Das Werk ist ein monumentales Gemälde der Vernichtung, eine Beschwörung des Chaos von barocken Ausmaßen. Die Kritik im Meyerschen Konversations-Lexikon kam nicht umhin zu konstatieren: »Bei allen Fehlern in Plan und Ausführung zeigen einzelne Stellen eine gewisse Kraft und Hoheit und eine tiefe Innigkeit des Gemüts.«Sonnenbergs Schicksal war das der Unzeitlichkeit. Sein großes Vorbild, dem er zeitlebens nacheiferte, Klopstock, war längst aus der Mode gekommen und war schon Jahrzehnte zuvor von Grabbe und Heine verspottet worden. Sonnenberg wollte »dem katholischen Deutschland das… werden was Klopstock dem protestantischen geworden war.«Sonnenberg war ein entschiedener Kritiker der biederen Münsterschen Literaturszene. Er warf seinen Landsleuten vor: »Wollt ihr denn ewig in euren Sümpfen und Sandwüsten mit thiergleich nach Futter gebeugtem Kopfe, um nur voll zu fressen, durch die Dünste des Aberglaubens und die Nebel der Mönchsdummheit herumschleichen, und nie einen Atherzug aus höheren Regionen schöpfen? Ist Fressen und Goldhäufen denn das Paradies eures Herzens, das Heimweh eurer Wünsche? Wollt ihr denn ewig Geistesgabe und alles Große in Wissenschaft und Kunst, alles in kaufmännischem Bagatellgeiste, nur nach Maaß und Elle messen und schätzen? Alles zur Handwerkerei herabwürdigen?«Der nachgenannte Friedrich Raßmann huldigte Sonnenberg postum mit den Worten: Die »Hauptstadt Westfalens« (gemeint ist Münster) werde »in den Annalen der poetischen Literatur ewig dadurch glänzen…, dass ein Sonnenberg daselbst geboren wurde und seine erste Bildung empfing«
Tondokumente
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Donatoa audio/mpeg, 2 MB
