1810 Friedrich Raßmann (Hg.): Mimigardia

Anfang des Jahrhunderts begann die systematische Aufarbeitung der westfälischen Literatur. Ein maßgeblicher Organisator war Friedrich Raßmann – eine der denkwürdigsten Erscheinungen der deutschen Literaturgeschichte. Raßmann war 1804 nach Münster gekommen, um hier redaktionelle Tätigkeiten auszuüben. Mehrfach versuchte er eigene Zeitschriftengründungen, scheiterte aber kläglich. Parallel arbeitete er an mehr als 50 Zeitschriften mit, gab »Blütenlesen« heraus, bewährte sich als Bibliograf und versuchte sich auch – mit mäßigem Erfolg – als »Originaldichter«. Obwohl so weit über 100 Bücher zusammenkamen, nagten er und seine Familie am Hungertuch. Von erdrückender Arbeitslast geplagt, dichtete er: »Ich will empor mich raffen / Aus meinem tiefen Leid! / Der Tag ist ja geschaffen / Einmal zur Fröhlichkeit. / Und sink’ ich auch gleich wieder / Erschöpft und matt zurück; / Mich hob doch Schwunggefieder / Für einen Augenblick.« Mit dem »Münsterländischen Schriftsteller-Lexikon« aus dem Jahre 1814 versuchte Raßmann, der westfälischen Literatur ein Fundament zu geben. Die bibliografischen Rechercheleistungen Raßmanns erscheinen noch heute imponierend. Zum Ansehen Raßmanns trugen sie allerdings – zumindest in seinem Wohnort Münster – nicht bei. Raßmann: »Viele Menschen in Münster, die auf Bildung Anspruch machen, wissen von der vaterländischen Literatur höchst wenig, oder sie achten es unter ihrer Würde, mehr, als höchst wenig davon zu wissen. Das sind in meinen Augen Flegel.«Mit dem Taschenbuch »Mimigardia« versuchte Friedrich Raßmann die poetischen Kräfte des Münsterlandes zu bündeln. Es erschienen nur zwei Bändchen (1810, 1811/1812). Sie zeigen, dass sich immer mehr Literaturliebhaber zur eigenen literarischen Produktion berufen fühlten. Die meisten Beiträger waren »Vertreter bürgerlicher Berufe mit literarischen Interessen und einem gewissen Enthusiasmus, ohne nennenswertes Talent, die in ihren Mußestunden Verse nach Vorbildern verfertigten ohne persönliches Erlebnis allein zur Unterhaltung.« (Julius Lothar Schücking). Vor allem trieb der in Münster verbreitete Klopstock-Kult viele Blüten. Zu den Mitarbeiterinnen zählten die damals erst 13-jährige Annette von Droste-Hülshoff und deren Dichteridol Katharina Schücking.

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Tondokumente

  • Mimigardia audio/mpeg, 5 MB
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