Ein Buch aus der Kategorie »Curiosa«. Man stelle sich vor: Kurz bevor ein »Starautor« ein Buch herausbringt, erscheint jenes bereits im Buchhandel – mit identischem Titel, allerdings von einem anonymen Verfasser herausgebracht. So geschehen im Falle von »Wilhelm Meisters Wanderjahre«. Urheber dieser Provokation war der damalige Pfarrgehilfe Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen-Glanzow (1793-1834). Um die Frivolität und Unsittlichkeit Goethes zu desavouieren, enthalten seine »Wanderjahre« Gemeinplätze der platten Moral. Das 5-teilige Werk hatte einen sensationellen Erfolg und wurde von vielen für eine literarische Arbeit Goethes gehalten. In angesehenen Blättern erschienen ernsthafte Besprechungen. Goethe selbst soll durch die »Affäre« schwer getroffen worden sein. Pustkuchen-Glanzows »boshaftes Machwerk« (Max Staerke) bildet ein Musterbeispiel der frühen Goethe-Kritik. Heine rechnete in der »Romantischen Schule« mit Pustkuchen-Glanzow ab, und noch 1837 widmete ihm der junge Marx mehrere Spottgedichte.
Tondokumente
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Wilhelm Meisters Wanderjahre audio/mpeg, 14 MB

