1838 Annette von Droste-Hülshoff: Gedichte

Die erste Gedichtausgabe der Droste erschien aus familiärer Rücksichtnahme halbanonym. Dem schmalen Band ging eine lange Phase der Unentschlossenheit, der gelegentlichen Mutlosigkeit, ein endloses Feilen und Umarbeiten, schließlich die für die Verfasserin unzufrieden gelöste Verlegerfrage voraus. Durch eine verfrühte Zusage war sie an den Münsteraner Verlag Aschendorff gebunden und musste einem bekannteren Verleger in Jena, den die Freundin Adele Schopenhauer vermittelt hatte, absagen. So hatte die kleine Publikation schlechte Startchancen und einen provinziellen Zuschnitt. Aber es lag nicht allein hieran, dass die Veröffentlichung ein Misserfolg wurde. Sie entsprach zu wenig dem literarischen Zeitgeschmack eines Lesepublikums, das sich lieber von der »Löwen- und Wüstenpoesie« eines Freiligrath in exotische Gefilde entführen ließ, als sich den anspruchsvollen und als »dunkel« empfundenen Gedichten eines adligen Fräuleins zu widmen, die zudem nicht den politischen Akzent besaßen, der damals gefragt war. Der Misserfolg der Ausgabe lag aber auch in der literarischen Qualität der Publikation begründet, die längst nicht das Niveau der zweiten Gedichtausgabe aus dem Jahre 1844 aufweist Von 400 gedruckten Exemplaren wurden schließlich ganze 74 verkauft. Ihre Familie wie der westfälische Adel überhaupt zeigte sich denn auch desinteressiert und kritisch. Allenfalls in kleinen, literarisch gebildeten Kreisen des Münsteraner Bürgertums wurden die Gedichte gelesen.Dass die erste Veröffentlichung 1838 überhaupt zustande kam, ist der Initiative Christoph Bernhard Schlüters (1801-1884) und seines Schülers Wilhelm Junkmann (1811-1886) zu verdanken, die auch den Verleger besorgten. Auf den Einfluss Schlüters ist es aber auch zurückzuführen, dass der Gedichtband einen religiösen Grundtenor bekam. Die Gestaltung des lyrischen Anhangs entschied er weitgehend eigenmächtig, und seinem Interesse an religiös-erbaulicher Dichtung folgend, gab er Gedichten aus dem Geistlichen Jahr den Vorzug gegenüber etwa den »Klängen aus dem Orient«, die ebenfalls zur Disposition standen und zweifellos eher dem Publikumsgeschmack getroffen hätten.

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