1841 Levin Schücking/Ferdinand Freiligrath: Das malerische und romantische Westphalen

Inspiriert von Immermanns Westfalenporträt im »Münchhausen« plante Ferdinand Freiligrath selbst einen Landschaftsband über Westfalen. Er schrieb 1838 an Heinrich Künzel: »Lesen Sie Immermanns eben erschienenen Münchhausen. Darin steht im zweiten Buch des ersten Bandes die trefflichste Schilderung und Würdigung Westfalens, des Landes und der Menschen, die mir je vorgekommen ist. Ich war vor Vergnügen außer mir, als ich's zuerst las. Es tat mir zu wohl, meine oft und viel geschmähte Heimat so glänzend, wenn auch zuweilen mit einem ironischen Seitenblick, in die Rechte eingesetzt zu sehen, und noch dazu von einem Mann wie Immermann.«In einer zehnbändigen Prachtausgabe, dem »Malerischen und romantischen Deutschland«, war Westfalen nicht bedacht worden. Das war kein Zufall. Die westfälische Landschaft galt als karg und unwirtlich, und auch ihre Poeten standen nicht im besten Ruf. All dies sollte durch ein »westfälisches Reisebuch« (Freiligrath) wettgemacht werden.Die Bearbeitung des Bandes übernahm jedoch im Wesentlichen Levin Schücking. Die Droste steuerte historische Balladen und Prosaskizzen bei. Der mehrfach neu bearbeitete und neu aufgelegte Bildband markiert den Beginn einer populistischen, nostalgisch verklärten Westfalenromantik. Germanentum und die von Tacitus beschriebene Vorzeit werden bemüht. Mit Hilfe solcher Mystifizierungen wurde die heile Gegenwelt zu einer Zeit entworfen, die angesichts des anbrechenden Industriezeitalters an Überschaubarkeit eingebüßt hatte. Seine Weltflucht gibt der Text unumwunden zu: »Man wandert so weit die rote Erde sich erstreckt, durch ihre Wälder und Talschluchten, über ihre Berge und Ströme, mit dem Wanderstabe als Wünschelrute, die stille steht, wo das Gold der Poesie versteckt als Sage in den Trümmern alter Schlösser und Burgen ruht, wo Dome sich wölben und Städte mit ihrem Mauerkranze sich auftürmen, als Wächter des Hortes, den die Geschichte sich dort gesammelt hat. Das ist das Romantische, das wir suchen: die Erinnerungen der großen Zeit, auf welcher die unsere gebaut ist…«. »Das Malerische und romantische Westphalen« ist im Zusammenhang mit einer starken Zeitströmung zu sehen. Landschaft und Region wurden damals als politischer Bezirk und literarisches Neuland entdeckt, das Interesse an Märchen, Sagen und literarischem Volksgut erwachte.

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  • Westphalen audio/mpeg, 14 MB