1848 Mathilde Franziska Anneke: Frauen-Zeitung

Mathilde Franziska Anneke: Frauen-Zeitung Die literarische Laufbahn Mathilde Franziska Annekes, geb. Giesler, in erster Ehe verheiratete Tabouillot, nahm eine ungewöhnliche Wende. Aus einer katholischen Erbauungs- und Unterhaltungsschriftstellerin wurde eine Freidenkerin, die sich aktiv an der Revolution beteiligte, 1849 in die Vereinigten Staaten auswanderte und zu einer der profiliertesten Gestalten der deutschen Frauenrechtsbewegung wurde. Die Autorin entstammte der rheinischen Oberschicht. Nach einer früh geschlossenen, unglücklichen Ehe mit dem Weinhändler Alfred von Tabouillot ließ sie sich in Wesel und später in Münster nieder. Um ein Auskommen zu finden – zwei Gnadengesuche an den preußischen König wurden später abgelehnt –, besann sie sich auf ihr literarisches Talent und wurde unter anderem Mitarbeiterin der »Kölnischen Zeitung«, der Augsburger »Allgemeinen Zeitung« und des Cotta’schen »Morgenblattes«. 1839/1940 gab sie in Wesel zwei Gedicht- bzw. Gebetbücher heraus. Hierauf wandte sie sich Anthologieprojekten zu. Es erschienen »Der Heimatgruß. Eine Pfingstgabe« (1840), ein »Damen-Almanach« (1842) und die »Producte der Rothen Erde« (1846). Mit diesen Unternehmungen versuchte sie, die poetischen Kräfte Westfalens zusammenzuführen. Unter den Mitarbeitern waren Ferdinand Freiligrath, Levin Schücking und Annette von Droste-Hülshoff. Durch die Bekanntschaft mit ihrem späteren Mann, Fritz Annecke, wurde aus der schwärmerischen Katholikin eine entschiedene Freidenkerin, die vor keiner Konsequenz der neuen Weltanschauung zurückschreckte. In Münster wurde sie damals als »Communisten Mutter« denunziert. 1847 zog sie mit ihrem Ehemann nach Köln und stand dort im Mittelpunkt der demokratischen Bewegung. Der »Salon Anneke« war eine der Keimzellen der Revolution des Jahres 1848/49. Hier erschien M.F. Annekes Programmschrift »Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnissen«. Damals regte die Verfasserin die Gründung der »Neuen Kölnischen Zeitung« (erste Ausgabe am 10. September 1848) an. Als das Blatt wegen ihrer Radikalität verboten wurde, führte sie es als »Frauen-Zeitung« weiter. Zu einem Höhepunkt ihres politischen Wirkens wurde 1849 die aktive Teilnahme des Ehepaares am badisch-pfälzischen Feldzug. Nach dem Scheitern der Revolution flohen sie als »Forthy Eighter« nach Amerika, wo sie ihr frauenrechtliches Engagement fortsetzte.

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  • Frauenzeitung audio/mpeg, 2 MB