Eine weitere Autorin der demokratischen Bewegung war Malwida von Meysenbug (1816-1903). Ihre berühmten und vielfach aufgelegten »Memoiren einer Idealistin« erschienen zwar erst 1869 und zunächst in italienischer Sprache – in deutsch dann acht Jahre später –, behandeln aber mit den Jahren 1830 bis 1853 die eigentliche Zeitspanne ihres politischen Wirkens. Die Verfasserin stammt aus Kassel, lebte aber seit 1832 in Detmold, wo sie ihr politisches und soziales Selbstverständnis ausbildete und endgültig überkommene religiöse und politische Vorstellungen überwand. Im Mittelpunkt der damaligen Diskussionen standen Fragen der Religionskritik, demokratisch-utopische Gesellschaftsentwürfe und die Forderung nach der Emanzipation der Frau. Von Meysenbugs verzweigter Lebenslauf führte sie unter anderem an die Reform-Frauenhochschule nach Hamburg. Nach deren Schließung musste sie aufgrund ihrer persönlichen Kontakte nach London fliehen, wo sie in Emigratenkreisen verkehrte. Wegweisend wurde ihre dortige Freundschaft mit Richard Wagner. Malwida von Meysenbug gilt heute als »eine der eigenwilligsten und interessantesten Vertreterinnen einer frühen deutschen Frauenbewegung«. Ihre »Memoiren einer Idealistin«, in denen sie ihr politisches Engagement und ihren Selbstfindungsprozess eingehend beschreibt, wurden in ihrem erzieherischen Wert Goethes »Dichtung und Wahrheit« an die Seite gestellt.
Tondokumente
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Memoiren einer Idealistin audio/mpeg, 9 MB