1882 Heinrich und Julius Hart

»Es sind Erregungen von uns ausgegangen, die das Wollen des jungen Geschlechts entzündeten«, resümierten die Brüder Heinrich Hart (1855-1906) und Julius Hart (1859-1930) später. Schon als Gymnasiasten am ehrwürdigen Münsteraner Paulinum brachen beide aus dem Ghetto traditioneller Lektüre- und Denkgewohnheiten aus und lasen alles, was auch in Berlin die Gemüter bewegte. Mit Peter Hille und Albert Gierse gründeten sie damals ihre erste literarischen Zeitschrift, der zahlreiche weitere folgten. Seit 1881 leben die Brüder in Berlin. Sie waren in dieser Zeit an fast allen Gruppenbildungen und an vielen Anthologien und Zeitschriften der literarischen Neuerer mehr oder weniger direkt beteiligt. In dieser Hinsicht waren sie Schlüsselfiguren des Berliner Naturalismus und wichtige Stichwortgeber für die erste Periode der »klassischen« Moderne in Deutschland.Die »Kritischen Waffengänge« sind die wichtigste Zeitschrift der Brüder Hart und eines der wichtigsten Organe des Frühnaturalismus. Mitarbeiter waren unter anderem Arno Holz und Johannes Schlaf Die Zeitschrift reflektierte das aufstrebende, mächtig gärende Berliner Kulturleben der 1880er Jahre und wandte sich gegen die Verflachung der Literatur und der damaligen Bühnenwerke. Literatur sollte sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen und nicht auf »verlogene« Art und Weise dem Unterhaltungsbedürfnis frönen. Dem sei eine moderne, nationale, an der Wirklichkeit orientierte Literatur entgegenzusetzen.

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Tondokumente

  • Kritische Waffengänge audio/mpeg, 17 MB