»Und sieh uns grad’ hinein ins Aug’! / Gradaus, das ist Westfalenbrauch! / Es fragen nicht nach Spiel und Tand / die Männer aus Westfalenland. // Und uns‘re Frauen, uns‘re Mädchen, / Mit Augen blau wie Himmelsgrund, / Sie spinnen nicht die Liebesfädchen / zum Scherz nur für die müß’ge Stund’! / Ein frommer Engel hält die Wacht / in ihrer Seele Tag und Nacht. / Und treu in Wonne, treu im Schmerz / bleibt bis zum Tod ein liebend Herz. / Glückselig, wessen Arm umspannt / ein Mädchen aus Westfalenland! // Behüt dich Gott, du Rote Erde, / Du Land von Wittekind und Teut! / Bis ich zu Staub und Asche werde, / mein Herz sich seiner Heimat freut. / Du Land Westfalen, Land der Mark, / wie deine Eichenbäume stark, / dich segnet noch der blasse Mund, / im Sterben, in der letzten Stund’! / Land zwischen Rhein und Weserstrand, / O grüß dich Gott, Westfalenland!«Fast ein halbes Jahrhundert wurde Emil Rittershaus’ (1834-1897) Westfalenhymne in Schule und »Singkreis« gepflegt, (mindestens) bis in die 1970er Jahre wurde es von Männerchören geschmettert und erklingt noch heute zu mittäglicher Stunde als Glockenspiel vom Münsterer Landeshaus. Die Geschichte des Liedes bietet ein Beispiel landeskundlicher Wirkungsgeschichte. In den 1950er Jahren regte sich nämlich entschiedener Wiederspruch gegen die »klischeehaften« und »kitschigen« Verse, die so gar nicht zu einem modernen Westfalenbild passten. Ein »Gegenlied« aus der Feder Heinrich Luhmanns sollte Abhilfe schaffen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. In der Zeitschrift »Westfalenspiegel« wurden wahre Leserbriefschlachten geführt, bei denen traditionelle und fortschrittliche Meinungen aufeinander prallten. Als Relikt einer vermeintlich »guten alten Zeit« hat das Lied noch heute nicht ausgedient. So ziert es beispielsweise den Buchrücken des 1997 in zigfacher Auflage erschienenen »Westfälischen Hausbuchs«.
Tondokumente
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Westfalenlied audio/mpeg, 3 MB
