In der alten Reichshauptstadt Berlin waren Hille (1854-1904) und Else Lasker-Schüler (1869-1945) Stadtgespräch – Hille mit Rauschebart und Bettlerkleidung, sie ausstaffiert wie eine orientalische Prinzessin. Gemeinsam versuchten beide, die Fesseln der bürgerlichen Lebensweise abzustreifen und ihre literarisch-künstlerische Existenz radikal auszuleben. Hille war Else Lasker-Schülers erster Mentor. Sie vergötterte ihn wie einen Guru und verklärte ihn in ihrem »Peter-Hille-Buch« (1906), das – auf hochpoetische Art und Weise – ihre literarische Selbstfindung dokumentiert. Unter dem Einfluss Hilles fand die ursprünglich malende Künstlerin zum Schreiben, das immer radikalere Züge annahm. Vielen gilt sie als bedeutendste deutsche Lyrikerin überhaupt. Zu ihrem Freundeskreis zählte Gottfried Benn und auch der Maler Franz Marc. Kristallisationspunkte solcher Beziehungen waren die Berliner Kaffeehäuser wie das »Café des Westens«. Hier vertiefte sich auch Else Lasker-Schülers Bekanntschaft zu dem ewig mittellosen Peter Hille, der damals als Inkarnation der Berliner Boheme gilt. Nach Wanderungen durch Europa und erfolglosen Versuchen, eine selbständige literarische Existenz aufzubauen, lebte er seit 1895 in Berlin. Hier schloss er sich der Künstlerkommune »Die neue Gemeinschaft« an und unterhielt seit 1903 in dem Künstlerlokal »Dalbelli« ein eigenes literarisches Kabarett, in dem unter anderen Lasker-Schüler auftrat.Hille, der Literaturzigeuner, wurde von der literarischen Prominenz teilweise hoch verehrt, andererseits auch verspottet. Er war schon zu Lebzeiten eine Legende: Seine Freunde richteten ihm ein Weinlokal »Zum Peter Hille« ein, wo er jeweils montags aus seinen Werken las. Hille war in dieser Zeit mit den Literaturgrößen der Stadt bekannt und befreundet, unter anderem mit Richard Dehmel, Rainer Maria Rilke und Erich Mühsam. Eine seiner literarischen Stärke war die literarische Kurzform, der Aphorismus. Seine Prosa gilt es heute neu zu entdecken. Die Erstauflage seiner »Gesammelte Werke« wurde von seinen Freunden Heinrich und Julius Hart herausgegeben.
Tondokumente
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Mein Kind audio/mpeg, 1 MB
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Geschenke audio/mpeg, 4 MB
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Zauberin audio/mpeg, 3 MB
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Meine Liebe audio/mpeg, 1 MB
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Mai audio/mpeg, 2 MB
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Die Weide audio/mpeg, 1 MB
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Petrus Noah audio/mpeg, 3 MB