Das multimediale Zeitalter hat jene Epoche verdrängt, in der es noch gang und gäbe war, mit versammelter Familie vor dem Radio sitzend wie gebannt dem neuen Hörspiel eines Autors zu lauschen. Zu Zeiten des niederdeutschen Autors Anton Aulke (1887-1974) war das noch so. Im NWDR und später im WDR und NDR war Aulke zwischen 1954 und 1970 mit rund zwei Dutzend Hörspielen vertreten, die sich unter anderem um die Schelmenfigur Nies, einen westfälischen Eulenspiegel, ranken. Nach Anfängen in hochdeutscher Lyrik war der Nies 1936 – lange vor der Hörspielfassung – Aulkes erstes plattdeutsches Buch. Der Nies – das waren mit viel Lokalkolorit gespickte Dorfgeschichten vor überwiegend heiterer Fassade und ohne viel Tiefgang, eben ein, wie der Untertitel sagte »plasseerlik Bok van Buren, Swien, Spök, hauge Härens un en unwiesen Kerl«. Im Plattdeutschen, das in seinem Elternhaus noch ausschließlich gesprochen worden war, fand Aulke zu seiner »Muttersprache«. Eine größere Anzahl an Erzähl- und Lyrikbänden folgte bis 1972. Sie sind noch heute gefragt und haben es teilweise zu hohen Auflagen gebracht.
Tondokumente
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Nies audio/mpeg, 14 MB