Die Literatur des 17. Jahrhunderts ist von einem großen Thema bestimmt: Not und Elend des 30-jährigen Kriegs 1618-1648. Beim von Günter Grass fiktiv anberaumten »Treffen in Telgte« (1979), bei dem sich – zeitlich parallel zu den Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück – die Geistesgrößen deutscher Zunge heftig katzbalgten, waren westfälische Autoren nur Zaungäste. Überhaupt ist die Quellenlage dürftig. Einer der bekanntesten westfälischen Barockautoren war der evangelische Theologe und Kirchenlieddichter Philipp Nicolai, der von 1596 bis 1601 Pfarrer in Unna war. Seinem von der damals grassierenden Pest geprägten »FrewdenSpiegel deß ewigen Lebens« entstammen die Kirchenlieder »Wachet auf, ruft uns die Stimme« und »Wie schön leuchtet der Morgenstern«. Eine weitere geistliche Liedersammlung weist westfälische Bezüge auf, Friedrich Spees „Trutznachtigall“ (1649). Die Entstehung des Werks reicht bis in jene Zeit zurück, als Spee an der Universität Paderborner Moraltheorie lehrte (1623-1626). Mit seinen Texten wollte Spee zeigen, dass die deutschen Poeten »recht lieblich« zu Ehren Gottes zu singen verstehen. Das Werk hatte weite Verbreitung und wurde vielfach übersetzt. Fünf Texte fanden Eingang in »Des Knaben Wunderhorn« (1805-1808) der Romantiker Arnim und Brentano. Die »Trutznachtigall« steht am Beginn der neueren deutschen Metrik, ihre Naturlyrik gehört zum Besten der Barockzeit. – Der Münsterische Arzt Bernhard Rottendorf (1594-1671) verfasste mehrere Bücher: 1647, während der Verhandlungen zum »Westfälischen Frieden«, veröffentlichte er einen deutsch-lateinisch abgefassten Friedensappell mit dem Titel »Praegnantes Causae«. 1652 entstanden die neulateinischen Gedichte der »Laetitae reduces«, der wiedergeschenkten Freuden nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Johann Heinrich Hadewig (1623-1671), seit 1647 Pfarrer in Lübbecke, war Dozent an der Universität Rinteln. Er verfasste eine Theorie der Dichtkunst, die auf Opitz‘ »Buch von der deutschen Poeterey« fußt: »Kurtze und richtige Anleitung wie in unserer Teutschen Muttersprache ein teutsches Geticht zierlich und ohne Fehler könne verfertiget werden« (Rinteln 1650). Weitere seiner Werke waren: »Friede erlangtes Teutschland« (Hannover 1651) und »Geistliche Donner- und Wetter Glokke« (Rinteln 1655). – Ferdinand von Fürstenberg (1626-1683), Fürstbischof von Paderborn und Münster, zählte zu den gelehrtesten Bischöfen seiner Zeit. Er war ein großer Förderer von Wissenschaft und Kunst und Herausgeber der »Monumenta Paderbornensis«, einer der frühesten regionalgeschichtlichen Darstellungen Westfalens. Zeitlebens stand er mit vielen gelehrten Männern im Briefwechsel. Schon als Jesuitenschüler und Student hatte er neulateinische Gedichte verfasst, so 1646 ein Lobgedicht auf den päpstlichen Friedensvermittler Fabio Chigi. – Zahlreiche spätere westfälische Autoren griffen barocke Formen und Themen auf, so Hans Dieter Schwarze, Karl Riha oder Peter Rühmkorf. »Barocken Redeschwall« kennzeichnet beispielsweise auch Otto Jägersbergs »Westpfählisches Sittenbild«, »Weihrauch und Pumpernickel« (1964).