D wie Dadaismus

Richard Huelsenbeck, einer der profiliertesten Theoretiker des Dadaismus, verbrachte seine Jugend in Dortmund und Bochum, wo sein Vater als Chemiker im Bergbau tätig war. Seit 1908 besuchte er das »Arnoldinum«-Gymnasium in Burgsteinfurt, wo er in dem Mitschüler Karl Döhmann, dem späteren »Daimonides« der Berliner Dada-Szene, einen Gleichgesinnten fand. Huelsenbeck stand 1916 in Zürich bei der Geburtsstunde der Dada-Bewegung Pate. Hugo Ball hatte ihn dorthin gerufen. Jener hatte gerade in der »Spiegelgasse Nr. 1« das legendäre »Cabaret Voltaire« eröffnet. In Balls Tagebuch heißt es: »Huelsenbeck ist angekommen. Er plädiert dafür, dass man den Rhythmus verstärkt… Er möchte die Literatur in Grund und Boden trommeln.« In der »Collection Dada« erschien mit »Schalaben-schalabai-schalamezomai« ein wegweisendes Gedicht, dem bald die »Phantastischen Gebete« (1916) folgten, die Huelsenbecks Nachruhm wesentlich mitbegründeten. Bei einer Vorstellung im »wilden, rauchigen und seltsamen« »Cabaret Voltaire« brüllte Huelsenbeck sie »mit voller Lungenkraft« heraus, »mehr Marktschreier als Vortragender«. Als die Bühne ihre Pforten schließen musste, zogt es Huelsenbeck nach Berlin. Er gründete den »Club Dada« und veranstaltete den ersten großen Dada-Abend in Deutschland. Bald darauf ging er auf die erste große Dada-Tournee. Später war Huelsenbeck ein maßgeblicher Dokumentarist der Bewegung. Einflussreich blieben seine Memoiren »Mit Witz, Licht und Grütze« (1957).