D wie Droste-Hülshoff

Der Ikone der westfälischen Literatur sind allein vier Museen gewidmet: zwei in Westfalen (Schloss Hülshoff  als Geburtshaus; das Rüschhaus als langjähriger Wohnsitz) und zwei am Bodensee (Sterbeort im Alten Schloss Meersburg; das »Fürstenhäuschen« als geplante Sommerresidenz in späten Jahren). Welchem anderen Dichter wird schon soviel Ehre zuteil? Hinzu kommt eine eigene Droste-Forschungsstelle in Münster. Vor gut drei Jahren wurde hier die 29-bändige (!) Historisch-kritische Gesamtausgabe der Autorin abgeschlossen – ein Meilenstein der Forschung. Dass die »Grande Dame« der westfälischen Literatur so aktuell wie nie zuvor ist, zeigten ihre Gedenkjahre 1997 (200. Geburtstag) und 1998 (150. Todestag). Sie waren Anlass einer umfassenden Neuentdeckung. Der einhellige Tenor: Es ist kaum nachvollziehbar, dass die Autorin jahrzehntelang als Heimatdichterin und frommes Biedermeierfräulein verharmlost werden konnte. In ihren Gedichten lauere geradezu gefährlich-subversives Potenzial Baudelairescher Prägung. Zum Beispiel im wunderschön surrealen »Im Grase« mit den Eingangsversen »Süße Ruh', süßer Taumel im Gras, / Von des Krautes Arome umhaucht, / Tiefe Flut, tief tief trunkne Flut, / Wenn die Wolk' am Azure verraucht, / Wenn aufs müde, schwimmende Haupt / Süßes Lachen gaukelt herab…« Dichterinnen wie Sarah Kirsch oder Friederike Mayröcker sehen in der Droste eine Dichterfreundin, mit der sie gern Stunden am Rüschhauser Kamin verplaudert hätten.