Die Liste von Autorinnen und Autoren, die wegen ihres jüdischen Glaubens oder ihrer linksoppositionellen Haltung vor dem Nationalsozialismus ins Ausland fliehen mussten, ist lang. Zur ersteren Gruppierung zählt der Dortmunder Schriftsteller Wolfgang Hugo Philipp. Er wurde als Regisseur und Mitdirektor des Albert-Theaters in Dresden entlassen. Über Jugoslawien emigrierte er 1936 nach Italien. Seit 1938 hatte er seinen Wohnsitz in der Schweiz. Wilhelm Sternfeld floh 1933 nach Paris und lebte später auf der Isle of Man und in London. Auch der Journalist und Romanautor Arnold Bender wurde nach seiner Flucht in Großbrittanien sesshaft, nachdem er 1934 über Dänemark zunächst nach Schweden emigriert war. Werner Vordtriede emigrierte 1933 in die Schweiz und lebte seit 1938 im amerikanischen Exil. Im Gegensatz zu den Vorgenannten kehrte er 1962 nach Deutschland zurück. Bereits vor 1933 war Jenny Aloni nach Palästina ausgewandert. Ihre Paderborner Familie fiel dem Holocaust zum Opfer. Die Autorin gilt heute als »bedeutendste deutschsprachige Schriftstellerin ihrer Generation in Israel«. Ein Großteil des Werks der Droste-Preisträgerin blieb zu Lebzeiten unveröffentlicht. Jene Texte, darunter die lebenslang von der Autorin geführten Tagebücher, wurden vom Jenny-Aloni-Archiv der Universität Paderborn ediert. – Zur Gruppe der Links-Oppositionellen zählt einer der produktivsten Schriftsteller und Übersetzer seiner Zeit, Paul Zech. Wegen eines von ihm verübten kriminellen Delikts verlor er 1933 seine Anstellung bei der Stadtbibliothek Berlin und wurde vorübergehend in Spandau inhaftiert. Er floh über Prag und Paris nach Südamerika, wo er in Argentinien in ärmlichsten Verhältnissen lebte. Der Gelsenkirchener Theaterdramaturg Hermann Krelaus ging 1934 nach Amsterdam, wo er seinen Widerstand im Untergrund fortsetzte. 1943 wurde er verhaftet und in Hamm zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Weitere politische Exilanten aus Westfalen waren Hans Marchwitza, der in der Schweiz und New York Unterschlupft fand und später in der DDR hohe politische Ämter innehatte, der Journalist, Kritiker und Literat Hans Siemsen, der unter anderem in Paris und New York lebte, sowie Walther Victor, der als Journalist in der Schweiz unterkam. Auch er ging nach 1945 in die sowjetische Besatzungszone. 1949/1950 gründete er die von ihm geleitete Büchergilde Gutenberg. Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR. Politisch verfolgt wurde auch die Brecht-Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann, die über Paris in die USA floh. Von 1935 bis 1940 unterrichtete sie an der Missouri-University in St. Louis. 1941 arbeitete sie in New York bei der antifaschistischen Gruppe »Council for a Democratic Germany«. 1946 folgte sie Brecht nach Los Angeles und 1949 nach Berlin, wo sie erneut zum festen Stamm der Mitarbeiter Brechts gehörte und sein Werk editorisch betreute.