F wie »Frauenzimmerliteratur«

»Wär ich doch kein Weib geworden, das sich so geduldig in all die Fesseln und Einschränkungen des bürgerlichen Lebens schmiegen muß, und das, so verschieden auch sein Charakter und seine Geisteskräfte sein mögen, doch immer sich derselben Bestimmung fügen muß«. Der Satz stammt von Katharina Schücking, der Mutter des Romanciers Levin Schücking. Ihr Schicksal steht stellvertretend für die westfälische »Frauenzimmerliteratur« (ein Begriff, der hier nicht despektierlich misszuverstehen ist) des 18. und 19. Jahrhunderts. Frauen hatten es im literarischen Leben Westfalens besonders schwer. Katharina Schücking wurde in Münster verspottet, weil ihre Gedichte namentlich statt anonym zur Veröffentlichung gelangten. Auch die Droste hatte zu leiden. Als »Blaustrumpf« musste sie sich wegen ihrer literarischen Ambitionen lebenslang Vorhaltungen (nicht nur) ihrer Familie gefallen lassen. Schon die 19-Jährige hatte geklagt: »Fesseln will man uns am eignen Heerde! / Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum / Und das Herz, dies kleine Klümpchen Erde / Hat doch für die ganze Schöpfung Raum!« Brieflich hielt sie fest: »Es liegt mir wenig am Heute, aber in hundert Jahren möchte ich gelesen werden.« Die literarische Domäne der schreibenden Frau des 19. Jahrhunderts war die gefühlvolle Erzählung oder das blumige Gedicht. Hier paradierten in Westfalen Schriftstellerinnen wie die Schwestern Katharina und Elisabeth Diez verh. Grube (1809-1882; 1803-1871). Später traten Erziehungsratgeber wie die der Henriette Davidis hinzu (s. das Stichwort »Kulinarisch«), aber auch patriotische Huldigungen wie bei Johanna Baltz.