I wie Innovation

Mitte der 1950er Jahre trat mit Paul Schallück, Hans Dieter Schwarze und Erwin Sylvanus eine neue westfälische Autorengruppe auf, die sich nicht scheute, der älteren Generation ihre NS-Vergangenheit vorzuwerfen (s. Stichwort »Schmallenberger Dichterstreit«). Die jungen Autoren wandten sich gegen die bis dahin dominierende traditionelle westfälische Heimatdichtung und votierten für literarisches Formbewusstsein und den Anschluss an die literarische Moderne Deutschlands und Europas. Der abstrakte philosophische Autor Ernst Meister avancierte (ungewollt) zur Galionsfigur einer jungen westfälischen Dichtung. Typisch für den neuen westfälischen Roman der 1950er und 1960er Jahre ist ein existentialistisches (oft nihilistisches) Lebensgefühl. Es findet sich beispielsweise in Paul Schallücks »Wenn man aufhören könnte zu lügen« oder Thomas Valentins »Hölle für Kinder« (1961). Eine ähnliche Grundhaltung findet sich in der Lyrik Hans Dieter Schwarzes, z.B. in »Tröste blasse Strasse« (1956) und »Clowns« (1959).