K wie Konfessionelle Dichtung

Der Gallitzin-Kreis (s. das entsprechende Stichwort) fördert auf breiter Basis das Entstehen und die Verbreitung katholischen Volksschrifttums. Der Kreis bewog Friedrich Leopold zu Stolberg zum Übertritt zum Katholizismus und regte ihn zu seiner weitverbreiteten Konversionsschrift »Geschichte der Religion Jesu« (1806-1818) an. Stolbergs Konversion zu Pfingsten 1800 sorgte in ganz Deutschland für Aufsehen und rief zahlreiche Schmäh- und Streitschriften hervor. Stolbergs Monumentalwerk wurde zu einer der einflussreichsten Konversionsschriften der deutschen Literatur überhaupt. Auf diesem Nährboden bildete die katholische Dichtung in der Biedermeierzeit eine dominierende Strömung der westfälischen Literatur. Einen eigenen Weg beschritt der 1798 in Bocholt geborene Melchior von Diepenbrock, der später zum Fürstbischof von Breslau aufstieg. Mit seinem Hauptwerk, dem »Geistlichen Blumenstrauß, aus spanischen und deutschen Dichtergärten, den Freunden der christlichen Poesie dargeboten« (1. Auf. 1829, 4. Aufl. 1862), erwarb er sich den Ruf eines kongenialen Übersetzers und spätromantisch-restaurativen Erbauungsschriftstellers. – Luise Hensels schlichte Gebetsverse »Müde bin ich, geh zur Ruh’« sind noch heute bekannt. Die 1798 in der Mark Brandenburg geborene Dichterin wuchs in einem protestantischen Pfarrhaushalt auf. 1818 konvertierte sie zum Katholizismus – ein tiefer, von ihr geheimgehaltener Einschnitt in ihrer Biographie. Eine Zeitlang wirkte Luise Hensel als Erzieherin auf Haus Brinke, dem Sitz des Grafen von Kerssenbrock in Borgholzhausen. Bernard Overberg, Mitglied des Kreises von Münster, war ihr »Seelenführer«. Ihre literarischen Arbeiten wurden von dem Münsterer Philosophiedozenten Christoph Bernhard Schlüter (s.u.) betreut und gefördert. Von 1872 bis 1874 leistete sie im Ahlener »Vinzenz-Hospital« Pflegedienste. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Paderborn, wo sie auch starb und begraben liegt. – Seinen Besuch bei der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick (1774-1824) in Dülmen hielt Clemens Brentano tagebuchartig auf 12.000 (!) Folioseiten fest. Er veröffentlichte sie erst 1833 auszugsweise und dichterisch ausgeschmückt unter dem Titel »Das bittre Leiden unseres Herrn Jesu Christi. Nach den Betrachtungen der gottseligen A. K. Emmerick« – ein religiöses Volksbuch, das weite Verbreitung fand. – Eine Zentralfigur des münsterischen Katholizismus war der Philosophiedozent Christoph Bernhard Schlüter. Der einflussreiche Literaturvermittler der Biedermeierzeit förderte unter anderem die geistliche Dichtung Annette von Droste-Hülshoffs. Auf Schlüters Initiative hin vollendete die Droste ihr »Geistliches Jahr«, das Schlüter später, wie auch ihre Lieder und Briefe, herausgab. Die bekannteste westfälische Autorin konfessionellen Schrifttums im 20. Jahrhundert ist Gertrud von Le Fort. Ihr »Schweißtuch der Veronika« (1928) erlebte bis heute zahlreiche Auflagen.