Eine der bekanntesten deutschen Kochbuchautorinnen stammt aus Westfalen: Henriette Davidis. Durch ihre mit dem unverwechselbaren »Man nehme…« eingeleiteten Rezeptvorschläge ist ihr Name unwiderruflich in die Geschichte der deutschen Kochbuchliteratur eingeschrieben. Ihr »Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und die feine Küche« brachte es auf 76 Auflagen. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und machte die Autorin in ganz Deutschland bekannt. Kochbücher gab es schon zu Hunderten, keines aber in dieser durchschlagend neuen Rezeptform. Seit der Erstauflage 1845 sind bis heute unzählige Bearbeitungen des Werks in Gebrauch geblieben. Eine Davidis-Sammlung bildet den Mittelpunkt des Dortmunder »Kochbuchmuseums«. Davidis verfasste daneben auch vielgelesene Erziehungsschriften. Ihr Buch »Die Hausfrau« gewährt dabei Einblicke in die Lebenssituation der Frau um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es verfolgte die Absicht, den angehenden Hausfrauen häusliche Tugenden (Kochen, Nähen, Putzen, treues Umsorgen des Ehemannes) »schmackhaft« zu machen. Das Tun der Frau ist bei ihr ganz auf Heim und Herd und das Umsorgen des Ehemanns festgelegt. In »Der Beruf der Jungfrau. Eine Mitgabe für Töchter bei ihrem Eintritt in's Leben« (1856; 16. Auflage 1897) heißt es: »Was könnte für eine Jungfrau wichtiger sein, als die Reinheit ihres Herzens und ihren sittlichen Ruf als größtes Heiligtum zu bewahren – in Haltung und Rede, in Blick und Mienen, nicht weniger in Anzug. Halte dich, meine Tochter, fern von allem, was den reinen Sinn gefährden könnte. Mit Herren geflissentlich Gespräche anzuknüpfen und sich zu bemühen, diese im Fortgang zu erhalten, oder Unterhaltung mit ihnen zu pflegen, die eine Art von Gelehrsamkeit an den Tag legen, ist nicht die Sache einer Dame von guter Sitte und weiblichem Takt; sie überläßt dies den Männern.« »Wenn solche Ratgeber auch nicht eigentlich zur Literatur zu zählen sind, so spiegeln sie sicher die Rahmenbedingungen weiblicher Sozialisation und umreißen das tägliche Leben und die geforderten Tugenden von Frauen und Schriftstellerinnen« (Ortrun Niethammer).