Nach 1933 griff die NSDAP auch in Westfalen massiv in die Literaturförderung ein. Indikatoren hierfür sind die Schaffung eines Westfälischen Literaturpreises, der zunächst ausschließlich an regimetreue Autorinnen und Autoren vergeben wurde, sowie die Etablierung der Zeitschrift »Heimat und Reich«, die – unter anderem mit ihren Literaturbeiträgen – propagandistisch aktiv war. Literarische Gesellschaften wie die Droste-Gesellschaft oder die Grabbe-Gesellschaft wurden gleichgeschaltet. Eine Massenautorin des »Dritten Reichs« war die Sauerländerin Josefa Berens-Totenohl. Ihr Roman »Der Femhof« (1934) erreichte eine Auflage von 275.000 Exemplaren. Der Folgeroman »Frau Magdalene« (1935) wurde etwa 180.000 mal gedruckt. Beide Werke führten die Ausleihliste westfälischer Büchereien an. 1936 wurde die überzeugte Nationalsozialistin mit dem erstmals vergebenen »Westfälischen Literaturpreis« ausgezeichnet. 1944 führte sie als Vortragsreisende bis zu 30 öffentliche Lesungen im Monat durch. Ihr Vortrag »Die Frau als Schöpferin und Erhalterin des Volkstums« (1938) wurde NS-Frauenorganisationen als Pflichtlektüre empfohlen. Eine Gleichgesinnte, Maria Kahle, ebenfalls eine Sauerländerin, war 1937 zweite Trägerin des »Westfälischen Literaturpreises«. Kahle warb im In- und Ausland unablässig für Deutschtum und ein antisemitisch geprägtes rassistisches Gesellschaftsbild. Im Sinne des Nationalsozialismus schrieben unter anderem Lulu von Strauß und Torney, Erwin Sylvanus (Frühwerk), Heinrich Luhmann, Heinz Steguweit und Friedrich Wilhelm Hymmen. – Die späteren literarischen Auseinandersetzungen mit der NS-Zeit sind vielgestalt. Eines der eindrucksvollsten Zeugnisse ist Paul Schallücks Roman „Engelbert Reinecke“ (1959). Er erzählt von einem jungen Lehrer, der an das Gymnasium seiner Heimatstadt (die unschwer als Warendorf zu erkennen ist) kommt. Nach heftigen Gewissenskonflikten entschließt er sich, das Schicksal seines Vaters aufzudecken, der vom früheren Nazi-Direktor der Schule denunziert und dadurch in den Tod getrieben worden war. Siegfried Lenz später über Schallück: »So direkt, so ungeduldig und anklägerisch hat wohl kein Schriftsteller der Nachkriegsliteratur nach dem Verbleib der Wahrheit gefragt und nach den Schlussfolgerungen, zu denen sie uns zwingt.« Von den jüngeren Autorinnen und Autoren wären beispielsweise Ralf Rothmann »Der Windfisch« (1988) und Judith Kuckart »Die schöne Frau« (1994) zu nennen.