Ein westfälischer Eulenspiegel ist der »Nies«, eine literarische Figur des niederdeutschen Autors Anton Aulke. Der Episoden rund um »Nies« waren mit viel Lokalkolorit gespickte Dorfgeschichten vor überwiegend heiterer Fassade und ohne viel Tiefgang, eben »en plasseerlik Bok van Buren, Swien, Spök, hauge Härens un en unwiesen Kerl«, wie es im Untertitel heißt. Die westfälische Döhnekes-Literatur ist reich an ähnlichen Originalen. Augustin Wibbelt lässt in seinen humoristischen »Drüke Möhne«-Episoden gleich ein ganzes Ensemble westfälischer Originale antreten, darunter auch »Vader Klüngelkamp«. Eine »ächte« Ruhrgebietsvariante bietet der Dortmunder Autor Karl Prümer. Er verfasste unter anderem »Dä Westfölsche Ulenspeigel. Lustige Historien füör Unlustige« (1880), »Schelmenstreiche niederdeutscher Käuze« (1917) und »Doctor Bettelquast. Humoreske aus der Redactionsstube« (1893). Schnurrige niederdeutsche Episoden finden sich auch in Franz Gieses »Frans Essink« (1874). Die Zentralgestalt, der Gelbgießer Essink, ist ein höchst origineller und sonderbarer Mann, der seine Vaterstadt Münster noch nie verlassen hat und sich hartnäckig gegen alles sträubt, was die neue Zeit mit sich bringt. Die Anekdoten gehen zurück auf Erzählungen während Münsterer »Herrenabende« im Winter 1873. – Einer der erfolgreichsten deutschen Schelmenbücher ist der schon erwähnte Roman »Der tolle Bomberg« von Josef Winckler. Weniger bekannt sind hingegen »Weide meine Böcke. Schelmenroman in Geschichten« (1959) von Josef Küper. Küper verfasste unter anderem eine Biographie über den damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, deren Erscheinen jener verhindern wollte. Die gesamte Auflage verschwand spurlos. Ein noch heute originelles Schelmenbuch ist Otto Jägersbergs Episodenroman »Weihrauch und Pumpernickel«. »Ein Westpfälisches Sittenbild« (1964).