Die Tradition des gesellschaftskritischen Songs führten in den sechziger und siebziger Jahren zwei der populärsten deutschen Liedermacher fort, der aus Schwelm gebürtige Franz Josef Degenhardt und der 1942 nahe Bielefeld geborene Hannes Wader. Der promovierte Jurist und APO-Anwalt Degenhardt orientierte sich dabei zunächst an der satirischen Kleinkunst der 20er Jahre (Tucholsky, Kästner, Mehring usw.), sein Volkston erinnert häufig an Brecht. Sein Bänkelsong »Spiel nicht mit den Schmuddelkinder« ist nahezu volkstümlich geworden. Im Zuge der Studentenrevolute wurde er zu einer Leitfigur der deutschen Protestbewegung. 1972 erreichte seine »Befragung eines Kriegsdienstverweigerers« Platz 1 in der WDR-Hitparade. In den 1970er Jahren wurde Degenhardt zu einem erfolgreichen Romanautor. »Zündschnüre« belegte 1973 monatelang vordere Plätze der Spiegel-Bestseller-Liste, wurde 1974 verfilmt und 1975 Taschenbuch des Monats. Auch »Brandstellen« wurde 1977 verfilmt. 1978 hat Degenhardt 150.000 Romanbände, 600.000 Platten und 300.000 Lyrikbände (Textbände) verkauft. Durch Zensureingriffe gegen ihn wuchs seine Popularität weiter. Hannes Waders Karriere als sozialkritischer Liedermacher begann 1966 mit einem Auftritt auf der Burg Waldeck. Bald darauf geriet er in den Verdacht, einer terroristischen Vereinigung anzugehören. Seine politische Heimat und Identität war damals die KPD. Seit Mitte der 1970er Jahre vollzog er zahlreiche stilistische Wandlungen zwischen Politik (zeitweilig beim DKP-nahen Dortmunder „Pläne“-Label), Arbeiterlied, Volkslied, Chanson, Songs zu Friedens-, Drogen- und Umweltthemen und Adaptationen fremder Autoren (u.a. Villon, Carl Michael Bellman), ohne jedoch an seine frühere Popularität anknüpfen zu können. 1969 wurde in Witten/Ruhr die Rockgruppe »Franz K.« gegründet Sie spielte zunächst auf Pop-Festivals und in Diskotheken, dann aber zunehmend auf Einladung politischer Jugendorganisationen. Ihre Musik weist – so die Gruppe selbst – einen »starken gesellschaftspolitischen Bezug« auf: »Rockmusik ist proletarische Musik… Wir haben ihren Ursprung nicht vergessen. Rock bedeutet Vermittlung von Gesellschaftskritik.« Auf keinen Fall wollte sich die Gruppe »vermarkten lassen«. Um 1970 ergänzte »Franz K.« ihr Programm durch Lesungen des Lyrikers Arnold Leifert. Es handelte sich dabei um »Doku-Gedichte«, die Leifert zum Beispiel in der Tagespresse vorgefunden hatte: »15 / türkische / Gastarbeiter // z. Zt. / als Bauhelfer / und Hilfsarbeiter / tätig // abzugeben // Interessierte wenden sich bitte an« (aus der »Neuen Ruhrzeitung«, Essen)