Im letzten Drittel des 18. Jahrhundert machten sich sog. Volksschriftsteller daran, den vorhandenen Lektürekanon umzuschreiben. Die neuen Volksschriften sollten unmittelbar auf die Lebenswirklichkeit des Landmanns eingehen und handfeste Lebenshilfen und praktische Ratschläge enthalten. Schon die Titel tragen diesem Rechnung. »Von Quacksalberei, Aberglauben und Teufelsbannerei, auch etwas über Haushaltung«; »Das beste Mittel, manchen Aberglauben in der Ökonomie auszurotten«; »Von einigen Giftpflanzen, die sich im lippischen Lande finden«; »Regeln für den Landmann, wie er sich verhalten soll, um von der Ruhr verschont zu bleiben«; »Schon in frühester Jugend muß das Kind gebildet werden« usw. Es wurde für gut befunden, Geschichten, Erzählungen und gemäßigte »Anekdoten« in Volkskalender aufzunehmen. Eine eigene Leistung der Volksaufklärer waren sogenannte »Bücher fürs Volk« – »Lesebücher« des einfachen Mannes, die ihn von Kindheit an bis ins hohe Alter begleiteten. Sie propagieren eine vorbildliche Lebensführung. Ein Musterbeispiel dieser weitverbreiteten Gattung waren Johann Georg Schlossers »Catechismus der Sittenlehre für das Landvolk« (1772), sein »Versuch eines Schulbuches für den Landmann« (1772) sowie Friedrich Eberhard von Rochows »Der Bauernfreund« (1773). – Autoren wie Friedrich Wilhelm Weber und Friedrich Wilhelm Grimme wurden im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in anderer Hinsicht zu Volksschriftstellern. Aufgrund heimatbekennender Züge ihrer Dichtung wurden sie wie Volkshelden gefeiert. Grimme, von Beruf Lehrer, genoss in seiner sauerländischen Heimat nahezu Kultstatus, was nicht zuletzt am versöhnlichen Humor seiner niederdeutschen Schwänke lag. Als er 1886 beim Sängerfest in Olsberg sein 12strophiges Bekenntnis »All Surland sall liäwen« vortrug, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Grimme wurde unter anderem mit einem Fackelzug geehrt.