2001 Frank Goosen: Liegen lernen

Frank Goosens Schriftstellerlaufbahn weist alle Merkmale einer Blitzkarriere auf. »Liegen lernen«, das Romandebüt aus dem Jahr 2001, verkaufte sich über 50.000 Mal und wurde von einem führenden deutschen Taschenbuch übernommen. Der »Film zum Buch« kam im Herbst 2003 in die Kinos. Auf ähnlicher Erfolgsspur bewegten sich die rasch folgenden weiteren Romane und Erzählbände »Pokorny lacht« (2003), »Mein Ich und sein Leben« (2004), »Pink Moon« (2005) und »A 40« (2006).Was ist das Patentrezept des Autors Frank Goosen? Ein Baustein seines Erfolges ist sicherlich, dass Goosen eine Karriere vor der Karriere hatte: die eines umtriebigen Kabarettisten. Mit Jochen Malmsheimer stand er als Kleinkunst-Duo »Tresenlesen« von 1992 bis 2000 über tausend Mal auf der Bühne. Im Ruhrgebiet erlangte das »närrische Literaturkabarett« (Goosen) Kultstatus. Solche Erfahrungen schlagen sich in der Szenengestaltung und Dialogregie (Pointierung) von Goosens Büchern nieder. Manche Passagen haben Hunderte Male ihre Publikumstauglichkeit bewiesen.»Liegen lernen« ist (im unverwechselbaren Gefolge eines Nick Hornby) ein typischer Identifikationsroman für diejenigen, die in den achtziger Jahren groß wurden. Die vielen Einsprengsel – ob Hinweise auf musikalische Vorlieben, Schlaghosen, Clogs oder Ilja Richter – garantierten ein dankbares und offensichtlich zahlreiches Publikum. Goosen schreibt jedoch keine Nostalgiebücher. Im Mittelpunkt seiner Texte stehen vielmehr die Schwierigkeit, in einer Zeit erwachsen zu werden, in der die Beliebigkeit regierte. Er ist ein typischer Vertreter jener Generation, die als »89er«, »X« oder »Golf« bezeichnet wurde und sich nur wenig um die »große Politik« schert. Helmut Kohls Wahl zum Bundeskanzler 1983 kommentiert er mit den Worten: »Wir waren dagegen. Gegen Kohl. Aber wir sagten es keinem.« Oder zur Wiedervereinigung: »Na gut, das war schon alles bemerkenswert, aber irgendwie war es nur Fernsehen.« Nur als es um die Liebe zu Britta geht, rafft er sich auf und überwindet seine chronische Gleichgültigkeit. Die letztlich unerfüllte Liebesbeziehung, die im Zentrum der Handlung steht, ist eine Allerweltsgeschichte. Aber sie ist so schnörkellos und kurzweilig verfasst, dass der Leser bei der Stange bleibt. Goosen erzählt leichtfüßig, amüsant, dialoggewandt und ohne aufgesetzte Coolness. »Manches ist pointiert-ironisch, manches rührend-rustikal und manches bis dato ungekannt formuliert«, heißt es in einer Kritik (»Tagesspiegel«). Im Rolling Stone war zu lesen: »Goosen hat einen ganz wunderbaren Roman geschrieben. Der sentimental ist, ohne peinlich zu sein, der trotz seiner Alltäglichkeit spannend ist und anrührend, dem es gelingt, die Freuden und Leiden der sexuellen Initiation, der Melancholie, Tristesse und Apathie dieser Jahre in einer Wahrhaftigkeit abzukonterfeien, dass einem Leser, dessen Adoleszenz ebenfalls in diese Zeit fiel, ganz warm ums Herz wird.«

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