2001 Wiglaf Droste: Die Rolle der Frau und andere Lichtblicke

An kaum einem Autor scheiden sich derart die Geister wie an Wiglaf Droste (Jg. 1961). Dem »bösesten deutschen Satiriker« wurden Titel wie »Nilpferdpeitsche unter den Kolumnisten« »satirischer Boxhandschuh«, »Verbalterrorist« oder »satirischer Amokläufer« verpasst. Der Grund: Der Kolumnist ist nicht zimperlich bei der Wahl seiner (sprachlichen) Waffen. Er liebt das Extrem und sagt was der denkt geradeheraus. Dass er dabei Gefahr läuft, als Macho, Sexist oder Chauvinist angefeindet zu werden, stört ihn nicht, getreu seinem Motto: »Ein Satiriker, der von allen gefeiert wird, steht im Verdacht, nicht allzu viel wert zu sein.« Droste verhöhnt Papst und Klerus, die Frauenbewegung, die Ökos und und und. Besonders nimmt er fadenscheiniges Als-Ob-Gehabe aufs Korn. Und natürlich unfreiwillige Komik, wie sie sich ihm etwa auf Friedensdemos oder beim Kirchentag darbietet. Oder er seziert die Borniertheit politischer Gruppierungen, die sich für chic halten und damit auf dem Marktplatz hausieren gehen. Wo immer sich Pseudo-Getue abfeiert, ist der Haudrauf zur Stelle, gleichgültig welche Partei oder Interessengruppe es verzapft hat. Droste teilt gnadenlos nach allen Seiten aus, seine Spottlust und Scharfzüngigkeit sind berüchtigt. In einem Interview bekannte er: »Es gibt diese selbst gemachte Medienprominenz. Solche Leute können einem furchtbar auf die Nerven gehen, da entsteht bei mir so eine gewisse Abwehr- oder Notwehrhaltung. Grob gesagt: Man muss auch mal den Medienmüll heruntertragen, weil er sonst irgendwann die Wohnung füllt.«Droste erklärt sich frank und frei zum Maß aller Dinge. »Verrätselung ist nicht mein Auftrag«, sagt er, und die risikobehafteten Folgen seiner Enthüllungen sind ihm, scheint’s, schnuppe. Der »inzwischen am häufigsten verklagte und verurteilte Autor« zieht seine Sache durch, wobei sein Wahlspruch lautet »no risk, no fun«. Droste kennt die Tradition seines Metiers genau und ist gewillt, das Genre auf seine Art und Weise produktiv weiterzuentwickeln: unerschrocken, zynisch und unabhängig von Interessen jedweder Art. Eben dies ist es, was bei ihm oft übersehen wird, das Spitzbübische, die Lust an der Provokation, die in bester literarischer Tradition steht. Dabei ist er kaum ein anderer deutscher Satiriker sprachlich derart sattelfest und einfallsreich wie er (»Aufrührerisch, amüsant, anstößig, komisch, entzaubernd, provozierend, apodiktisch, beleidigend, grantig oder bösartig das Widerwärtige widerwärtig nennend, und das in bestem Deutsch« – Franz Josef Degenhardt im »Neuen Deutschland« über Drostes Texte).Wiglaf  Drostes Texte erscheinen heute in anspruchsvollen Feuilletons und im Rundfunk. Mit »nutzt gar nichts, es ist Liebe. Gedichte« bewies der Autor 2005, dass er uneingeschränkt auch als Lyriker bestehen kann. Die Wandlungsfähigkeit des Autors zeigen auch zwei CDs, die er als Sänger mit dem »Spardosenterzett« eingespielt hat. Daneben ist er ein gefragter Hörbuchsprecher. Drostes Lesetourneen genießen inzwischen Kultstatus. Die dort vorgetragenen Texte und seine Zeitungs- Zeitschriften- und Hörbuchkolumnen gibt der Autor in Buchform heraus, wobei neben »Die Rolle der Frau« auch Titel wie »Am Arsch der Räuber« (1993), »Brot und Gürtelrosen« (1995), »Zen Buddhismus und Zellulitis« (1999), »Der infrarote Korsar« (2003) oder »Kafkas Affe stampft den Blues« zu nennen sind.

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