Der Roman »Die Schenke zur ewigen Liebe« war fast zwei Jahrzehnte lang ein Erfolgsbuch mit einer Gesamtauflage von annähernd 300.000 Exemplaren. Erklärlich wird dies nur dadurch, dass hier das Glück der kleinen Leute auf eine Art und Weise idyllisiert wird, die dem Lesepublikum an der Ruhr ans Herz ging und ein Selbstbewusstsein suggerierte, das es in anderen Büchern nicht fand. Der Roman überstand die Zeit des Nationalsozialismus unbeschadet. Dies verwundert nicht. Es erfolgt zwar kein unmittelbares Bekenntnis zu den neuen Machthabern, der von Vollmer propagierte Herrenmensch passte aber gut ins System. Auch das Feinbild des wesensfremden Ausländers passte ins Bild. Wenn der Kesseltreiber des Bösen auf den Namen Julith hört, so lag die Assoziationen an Juden nicht fern.Die »Schenke zur ewigen Liebe« war wie geschaffen für eine Verfilmung. Hierzu kam es 1944/45, in der Endphase des Kriegs. Regie führte Alfred Weidenmann, der mit Hitlerjugendpropagandafilmen zweifelhafte Bekanntheit erlangte. Der Erfolg seiner Romane ermöglichte Walther Vollmer, der selbst einige Jahre unter Tage gearbeitet hatte, eine Laufbahn als freier Schriftsteller. Seine NS-Linientreue brachte ihm im »Dritten Reich« einen Ehrensold seiner Heimatstadt Dortmund ein. Nach 1945 war Vollmer vornehmlich journalistisch tätig. 1950 wurde er mit dem Romanpreis der Deutschen Kohlenbergbauleitung und 1955 mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis ausgezeichnet.Im Mittelpunkt der Handlung steht der Tatmensch Wilm Klaas. Einer wie er hat auch Erfolg bei Frauen. Die schöne, blonde Dörte schenkt ihm gleich ihr Herz und schon bald ist von Heirat die Rede. Doch Wilm stammt aus einer Bergarbeiterfamilie und da fehlt es an allen Ecken und Kanten. Als Wilm bei ihrem Vater, einem Schlosskastelan, um Dörtes Hand anhält und beiläufig erwähnt, dass ein heruntergekommenes Gasthaus zur Versteigerung anstehe, erhält er von jenem das Geld zum Kauf des Gasthofes, das er renoviert und schmuck herausputzt. Nach einem »goldenen Sommer« ziehen jedoch herbstliche Wolken über der »Schenke zur ewigen Liebe« auf, als zwielichtige Gestalten auftauchen, um den früheren Besitzer der Schenke zu rächen. Natürlich wendet sich alles zum Guten. Walther Vollmers »Schenke zur ewigen Liebe« bereitet keine Lesefreude. Im Gegenteil: Das bis zum Unerträglichen aufgetragene, weihevolle Pathos, eine zentnerschwere Symbolik, die harte, kantige Sprache und ein Erzählgestus, bei dem ein allwissender Autor Altersweisheiten und Allgemeinplätze in Serie vom Stapel lässt, verärgern zusehends.
Tondokumente
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Die Schenke zur ewigen Liebe audio/mpeg, 5 MB
