Thomas Krüger darf als Hoffnungsträger der jüngeren westfälischen Literatur bezeichnet werden: Der Autor hat mit Veröffentlichungen in einschlägigen Literaturzeitschriften auf sich aufmerksam gemacht, vor allem aber durch seine Lyrikbände »Michelangelo rising« und »Alarm auf Planet M« (von seinem bezaubernden Kinderbuch, als Audiobook von Dirk Bach gesprochen, »Rufus und die weißen Elefanten«, einmal abgesehen). Die Großen der Zunft lobten unisono die formale Vollendung der Lyrik Krügers: »jede Menge Sonette und Sestinen – und einen unangestrengten, ironisch gefärbten Gang durch die abendländische Kulturgeschichte. Alltagsabsurditäten – von Agamemnon über Michelangelo bis Dieter Bohlen – werden Bestandteile einer eigenwilligen, lakonisch-akrobatischen ›Geschichtskurve‹« (Joachim Sartorius in der Süddeutsche Zeitung, 2004)In Praxi finden wir solche Attribute in Krügers Science-Fiction-Epos »Alarm auf Planet M« (2004), dem der Autor den Satz »Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos« vorangestellt hat. Das Werk gibt in 23 Szenen eine muntere Chaostheorie über das Abstruse des Hier und Jetzt zum Besten, wobei es um die grundlegende Frage geht: Wie würde die Menschheit reagieren, wenn wohlgesinnte Außerirdische vom Stern Divinus unseren Planeten entern, um ihm einen zivilisatorischen Entwicklungsschub zu verpassen? Das Ganze kann, wie unschwer zu erraten ist, nur in einer Katastrophe enden. Thomas Krügers Comic im antiken Versgewand (Terzinen) geht zu keinem Zeitpunkt die Puste aus. Was auch am bunt zusammengewürfelten Personal des Raumschiffs liegt. An Bord befinden sich Commander Yahoo, Johann Sebastian Bach II, Linda Evangelista und Pedro Dollar… »Alarm auf Planet M« ist ein gewaltiger Crossover, ein ebenso ausgeflippter wie seriöser – man bedenke die Raffinesse des Versbaus – Stil- und Genremix quer durch Raum und Zeit. Apropos literarische Formgebung: Im Interview äußerte der Autor: »Ohne Form geht gar nichts. In der gelungenen Form emanzipiert sich das Gedicht vom Autor und spricht sich schließlich selbst. Es muß Zauberkraft entwickeln, um wirken zu können, und das ist eine Sache des Rhythmus, der Bildfolgen, der Melodie. Die Form ist nicht allein Hülle: sie ist die gesamte Struktur in allen Verästelungen und Verweisen.«
