»Die Sonne ging auf bei Paderborn / Mit sehr verdrossner Gebärde. / Sie treibt in der Tat verdrießlich Geschäft – / Beleuchten die dumme Erde!« (Heinrich Heine über Paderborn in Deutschland ein Wintermärchen, Caput XIII)
»Persönlich kann ich unter Eid bezeugen, daß ich jedenfalls bis jetzt noch keine verurteilte Hexe zum Scheiterhaufen geleitet habe, von der ich unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte aus Überzeugung hätte sagen können, sie sei wirklich schuldig gewesen.« In seiner Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse (1631), aus der dieser Satz stammt, wollte der Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635) zahllosen Unschuldigen helfen. Hintergrund der Schrift war Spees Aufenthalt in Würzburg in den Jahren 1627/28. Auf Bitten des Bischofs von Würzburg war er dort Beichtvater der zum Scheiterhaufen verurteilten Hexenleute – 158 an der Zahl.
Zuvor hatte der 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf geborene Sohn eines hohen kurkölnischen Beamten in Paderborn sein Theologiestudium abgeschlossen und dort als Domprediger gewirkt. Von 1623 bis 1626 war der Jesuit, Moraltheologe und frühbarocke, religiöse Lyriker in Paderborn Professor für Logik, Metaphysik und Physik. Hier gab er auch ein Paderborner Gebetbuch heraus (1626). 1629 kam Spee erneut nach Paderborn, diesmal als Domprediger und Professor für Theologie. Nach Erscheinen der Cautio Criminalis wurde ihm seine Professur entzogen. Seine weitere Missionstätigkeit führte ihn unter anderem 1629 in das alte Weserstift Corvey. Während eines längeren, gesundheitsbedingten Landaufenthalts in dem unweit Corvey gelegenen Dörfchen Falkenhagen entstand vermutlich der Großteil seiner 1649 erschienenen Liedersammlung Trutz Nachtigal, oder Geistliches-Poetisches Lust-Waldlein, allegorische geistliche Poesien, die in kirchliche Gesangbücher Eingang fanden und so ihre Zeit zum Teil bis heute überdauerten. Im selben Jahr entstand auch Spees zweites Hauptwerk in deutscher Sprache, sein Güldenes Tugend-Buch, eine Erbauungs- und Exerzitienschrift. Weitere Lebensstationen führten Spee nach Köln und Trier, wo er in der Gruft der Jesuitenkirche beigesetzt ist.
Literarische Stätte: Eine Plakette in der Eingangshalle des Rathauses erinnert an Spees Lehrtätigkeit in Paderborn.
Weitere literarische Stätten: Denkmal an der Akademie am oberen Liboriberg; im Westfalenhof (heute Städtisches Altersheim, Gierstraße 1) verbrachte Luise Hensel ihre letzen Lebensjahre (Gedenktafel); das Luise-Hensel-Gartenhaus in der Driburger Straße 5 steht noch heute; Grab auf dem Ostfriedhof nahe der Kapelle mit Stein und Inschrift »Müde bin ich, geh zur Ruh' / Sang ich in der Jugend Tagen. / Schließe beiden Augen zu! – / Wird nun bald der Tod mir sagen, / Herr, mein Gott! das walte Du!«; Nachlaß in der Universitätsbibliothek München.
In Paderborn wurde 1783 der westfälische Anthologist Moritz Bachmann (Pseudonym: F.W.; Freimund Waller; Philydor; Peregrin), der Urgroßvater von Herman Löns, geboren; dort ist er auch 1872 verstorben. Der hochangesehene Jurist gab mehrere lokalbezogene Taschenbücher heraus, in denen erste Lyrikproben Friedrich Wilhelm Webers (s. Bad Driburg-Alhausen u.ö.) erschienen und auch erste Zeugnisse von Ferdinand Freiligraths (s. Detmold, Soest u.ö.) Wüsten- und Löwenpoesie, mit der der Detmolder Poet später über Nacht in ganz Deutschland bekannt wurde.
Die literarische Qualität seiner Unternehmungen überschätzte Bachmann nicht. So ließ er im Nachwort seines Taschenbuches Gunloda für 1832 verlauten:
»Es ist schon bei der Ankündigung gesagt, daß unsere bescheidene Gunloda auf eine Celebrität nicht Anspruch mache, und daß unser Büchlein nicht eigentlich in den Buchhandel kommen werde. Ein großer Theil des Inhalts hat eine zu örtliche Beziehung, und wird sich deshalb eines allgemeinen Interesses nicht zu erfreuen haben. Wir hoffen aber, daß unser Taschenbuch für den engeren Kreis, dem es bestimmt ist, eine angenehme Gabe seyn werde. Man wird in dem Kranze, welchen wir gewunden haben, manche glänzende und süß duftende Blume nicht vermissen, und, wenn auch mitunter ein farbe- und geruchloses Haideblümchen mit eingeflochten ist, so wird man dies mit freundlicher Nachsicht aufnehmen, weil es auf vaterländischem Boden gewachsen ist.«
Literarische Stätte: Hermann Löns war 1884 als Achtzehnjähriger zu Gast im Hause Bachmanns In der Grube (heute nicht mehr erhalten).
In Paderborn wurde 1819 Gerd Semmer geboren, ein Lyriker, Feuilletonist, Publizist und Regieassistent bei Erwin Piscator. Er verstarb 1967 in Ratingen.
Weitere literarische Stätten: Friedrich Wilhelm Weber war von 1826 bis 1835 Schüler am Paderborner Gymnasium Theodoranum. Von 1856 bis 1862 unterrichtete hier Friedrich Wilhelm Grimme (s. Olsberg-Assinghausen) als Lehrer.
Hinweise: In Paderborn besteht seit 1971 ein Literaturclub; seit 1954 vergibt die Stadt einen Kulturpreis, den unter anderem die westfälische Literaturpreisträgerin (1992) Jenny Aloni erhielt.
Schauplatz: In Paderborn spielt Jenny Alonis Erzählung »Die Synagoge und der Dom«, in: Die silbernen Vögel (1967).




