Im Deutschen Märchen- und Wesersagen-Museum befinden sich reichhaltige Schrift- und Bildsammlungen. Sammelschwerpunkte sind Frau Holle und die bekannten Sagengestalten der Weserregion: der Rattenfänger, Dr. Eisenbarth, der Lügenbaron Münchhausen. Außerdem wird der Werdegang der Märchensammler Wilhelm und Jacob Grimm (s. Brakel-Bökendorf) dokumentiert.
Das Museum befindet sich in der ehemaligen Villa von Paul Baehr (1855-1929). Der Thorner Offizier, Literat und Romantiker siedelte nach einem Unfall 1883 aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Oeynhausen über. Er engagierte sich in der Kommunalverwaltung und wurde Bürgermeister. Daneben ging er literarischen Interessen nach, gab mehrere eigene Gedichtbände heraus, stellte Anthologien zusammen und verfaßte einen Führer und eine Chronik des Badeortes (1909).
»Die Märchensammlung wurde von dem selbst schriftstellerisch tätigen Museumsgründer Karl Paetow in 50 Jahren zusammengetragen. Gerade in den Märchenstunden wird alte Romantik wieder lebendig. Bei Kerzenschein erzählt Dr. Paetow, in einem frühbarocken schweren Eichenstuhl sitzend, den auch schon Graf Luckner, der ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard sowie alte gräfliche Herrschaften nutzten, bekannte Märchen. Jeden ersten Freitag im Monat, nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr versammeln sich die Kinder im »Wittekindsraum«, umgeben von Erinnerungen und Dokumenten aus der Zeit, als sich Karl der Große im Wittekindsland »breitmachte« [und] lauschen gebannt dem Erzähler, der auch als erfolgreicher Schriftsteller, Märchen- und Sagenforscher bekannt geworden ist.« (Joachim Uthmann)
Paetow, 1903 in Fürstenwalde geboren, verfaßte Kurzgeschichten, Märchen, Gedichte, Essays, Sagen und Jugendbücher.
In Bad Oeynhausen wurde der sozialistische Arbeiterdichter, Publizist und Redakteur Walter Victor geboren (*1895 – †1971 Bad Berka). Aus seinem umfangreichen Werk seien die Titel Der General und die Frauen (Biographie über Friedrich Engels, 1932), Kehre wieder über die Berge (Autobiographie, 1945), Köpfe und Herzen (Autobiographie, 1949) und Mit Herzblut und Federwisch (Feuilletons, 1963) genannt.
Kaum noch bekannt sind die Schriftstellerinnen Elise Annuske († in Culm 1860; Pseudonym: O. Gäander), die lange Zeit in Bad Oeynhausen lebte, und die dort 1913 verstorbene Leopoldine Lehmann geb. von Doering (*Borken 1832).
Luise von Bornstedt (*1807 Kronen-Teltow/Potsdam – †1870 Bad Rehme/Bad Oeynhausen) verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Bad Oeynhausen. Sie war eine Bekannte Honoré de Balzacs, Carl Gutzkows (1811-1878) und Annette von Droste-Hülshoffs (s. Münster-Nienberge u.ö.), in deren Briefen sie häufig erwähnt wird. 1836 war sie für mehrere Jahre von Berlin nach Münster gekommen und hatte sich der Heckenschriftsteller-Gesellschaft um Elise Rüdiger (s. Minden, Münster, Münster-Nienberge) angeschlossen. Anschließend lebte sie in der Schweiz, Dresden, Paris, Weimar und Berlin. Zu ihrem Werk gehören die Konversions- und Erbauungsschriften Pilgerklänge einer Heimathlosen (Berlin 1836), die Legende von der gnadenreichen Lebensführung und dem glorreichen Martertode der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Katharina (Münster 1838) und Der heilige Ludgerus, erster Bischof von Münster und die Bekehrungsgeschichte der Friesen und Westfalen (Münster 1842).
Im Sommer 1895 weilte der impressionistische Erzähler und Dramatiker Eduard von Keyserling (1855-1918) in Bad Oeynhausen.
Auch der Journalist und Schriftsteller Werner Bergengruen (1892-1964), der »dem Nationalsozialismus ein der Tradition verpflichtetes Menschenbild, gehalten vom christlichen Vertrauen entgegensetzte« (Luise Hackelsberger), kurte einst in Bad Oeynhausen. In Badekur des Herzens, ein Reiseverführer (1932) beschreibt er diese Zeit. Bad Oeynhausen ist für ihn die Stadt ohne Stufen:
»[…] hier gibt es, wenigstens dem Augenschein nach, keine Gebäude, die quälen wollen, also weder Gymnasien noch Finanzbehörden, weder Landgerichte noch Telefonämter oder Gefängnisse, vielmehr Gebäude, die dem Menschen wohltun möchten, nämlich Badehäuser, Kurhaus, Brunnenhaus, Wandelgänge, Pavillons und Konditoreien […].«
Zu Bergengruens Werken zählen u.a. drei historische Romane Herzog Karl der Kühne (1930); Der Großtyrann und das Gericht (1935) und Am Himmel wie auf Erden (1940) sowie zahlreiche Novellen und Gedichte.
Schauplatz: Ursula Hafemann-Wiemann: Von Elbing nach Bad Oeynhausen. Erinnerungen und Plaudereien (Frankfurt/Main 1986).

