Neben dem Osnabrücker Staatsmann, Publizisten und Historiker Justus Möser (1720-1794) erwarb sich im 18. Jahrhundert vor allem der aus Bielefeld stammende protestantische Pfarrer und Gymnasiallehrer Peter Florens Weddigen (1758-1809 Kleinbremen bei Minden) volksaufklärerische Verdienste. Seine zahlreichen publizistischen Unternehmungen (unter anderem das Westphälische Magazin und das Neue westphälische Magazin) sind heute für die Kultur- und Sozialgeschichte eine wahre Fundgrube.
Peter Florens Weddigen wurde 1758 in Bielefeld geboren. Er studierte Theologie in Halle, dem Studienort der meisten Westfalen zu dieser Zeit. Dort mögen seine aufklärerischen Ambitionen ihre Wurzel haben. 1781 kehrte er zunächst als Lehrer nach Bielefeld zurück und versah dann ab 1793 in Bucholz im Fürstentum Minden eine Pfarrstelle. 1797 zog er von dort nach Kleinbremen, einem kleinen Ort nahe Minden, wo er als Pfarrer bis zu seinem Tod wirkte.
Weddigen bekam zu spüren, daß die Saat der Aufklärung nicht immer auf fruchtbaren Boden fiel. Die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, schildert er in einer Vorbemerkung des Westphälischen Magazins wie folgt:
»Wer hätte es glauben sollen, daß manche Männer in Westfalen so wenig Liebe für ihren mütterlichen Boden haben sollten, der größtenteils terra incognita ist, daß sie mir, dem Herausgeber, für meinen guten Willen, für meine Mühe und Kosten durch manche unangenehme Briefe, die den Inhalt dieses Magazins betrafen, hätten Verdruß machen können! Der eine wünscht Gedichte, der andere einen lustigen Roman, der dritte andächtige Betrachtungen; und weil ich ihren Wunsch nicht erfüllen konnte, so hörten sie auf, das Werk durch Subscription zu unterstützen!«
Weddigens Anliegen galt weniger der Unterhaltung als der – ganz zeittypischen – Vermittlung von Wissen über die westfälische Geschichte, Lebensart und Kultur. Ein wiederholtes Thema war dabei der Kampf gegen den weitverbreiteten Aberglauben.
Seinem Nationalkalender zum Nutzen und Vergnügen (1801) gab er den Wunsch mit auf den Weg:
»Dein Daseyn fordert dich auf, Vaterlandsliebe zu verbreiten, ächten Patriotismus zu beleben, mächtige Menschenfreunde, mit edler Freimüthigkeit, auf bemerkte Mängel, die deinem Vaterlande nachtheilige Folgen zuziehen könnten, aufmerksam zu machen, durch ausführliche Nachrichten von den Provinzen des Vaterlandes das Publikum zu belehren, das Gebiet der Litteratur zu erweitern, und über die Urnen der Würdigen unverwelklichen Myrthenkränze zu flechten.«
Weddigens Unternehmungen hatten nur mäßigen Erfolg. Lediglich einige seiner Kalender erlebten höhere Auflagen. Insgesamt wurden seine Bemühungen wie die anderer westfälischer Publizisten – Arnold Mallinckrodt (s. Dortmund) und Johann Wilhelm Aschenberg (s. Hagen) – wichtig für die Verbreitung der Lesekultur in Westfalen:
»Für die Weckung des literarischen Interesses und den Fortschritt der literarischen Bildung Westfalens im 18. Jahrhundert bedeuten die periodischen Blätter, die moralischen Wochenschriften und die aus den Beilagen zu den Intelligenzblättern erwachsenen gelehrten und schöngeistigen Zeitschriften alles.« (Paul Casser)
Hinweise: Um 1415 war Gobelinus Person (s. Herford) Stiftsdechant in Bielefeld. 1552 wirkte hier der Historiker Hermann Hamelmann (s. Paderborn) als Prediger an der Collegiatskirche der heiligen Maria.
1843/44 trafen sich im Politischen Club des Gastwirtes Christoph Nasse sozial und revolutionär gesinnte Schriftsteller wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (s. Höxter-Corvey, Wetter), Karl Grün (s. Siegen, Lüdenscheid) und Ferdinand Freiligrath (s. Detmold, Soest). Der sozialistische Nähmaschinenfabrikant Rudolf Rempel (1815-1868), 1848 Verleger der Wochenschrift Der Volksfreund und ein Freund von Karl Marx, beherbergte einige dieser Schriftsteller in seinem Bielefelder Haus, darunter Hoffmann von Fallersleben und Ferdinand Freiligrath. Auch der Revolutionär und spätere amerikanische Staatsmann Carl Schurz (1829-1906) hielt sich vor seiner Auswanderung nach Amerika wochenlang hier versteckt.
Otto Jacobi (Pseudonym: Otto von Ravensburg) wurde 1803 in Bielefeld geboren. Er verstarb 1855 in Berlin als Stadtgerichtsrat.
Ebenfalls aus Bielefeld stammt Ernst Bacmeister (*1874 – †1971 Wangen), der Sohn eines Verlegers. Der Lyriker, Essayist und Verfasser historischer Ideendramen war nach dem Studium der Neueren deutschen Philologie zunächst Hauslehrer, dann, seit 1907, freier Schriftsteller. Sein Nachlaß befindet sich im Westfälischen Literaturarchiv Hagen.
In Bielefeld lebte im vergangenen Jahrhundert eine ganze Reihe heute vergessener Schriftstellerinnen wie die Ehefrau von Ernst Bacmeister, Lucie Bacmeister geb. Müller (*1843 Bielefeld – †1904 Zürich), ferner Agnes Böhnert (*Bielefeld 1850; Pseudonym:. C. Märzfeld), Auguste Brockmann (+1839 Paderborn – †1909 Bielefeld), Wilhelmine Hartmann geb. Nieder-Schabbehard (*1834 Steinhagen/Bielefeld, seit 1897 in Nantes; Pseudonym: Mignon Hartmann), Johanna Jellinghaus (*1831 Schlüsselburg/Minden – †1880 Bielefeld), Luise Jüngst (*1848 Bielefeld), Julie Ruhkopf (*1799 Bielefeld, † in Athen; Pseudonym: Irene) und Minna Schrader (*1850 Hörste/Halle – †1902 Bielefeld; Pseudonym: A. Hörmann).
Hinweise: Eine umfangreiche Westfalica-Sammlung enthält das Stadtarchiv und die Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld. Seit 1956 wird der Kulturpreis der Stadt Bielefeld vergeben. Im Bunker Ulmenwall gaben sich seit 1961 renommierteste deutsche und ausländische Autoren ein Stelldichein. Seit 1978 wird in Bielefeld jährlich das Colloquium Neue Poesie veranstaltet.
Schauplatz: Bielefeld ist Schauplatz vieler Romane und Erzählungen. Hier spielen fast alle Werke der Bielefelderin Elisabeth van Randenborgh, z.B. ihre Romane Neu ward mein Tagwerk (Berlin 1933), Die harte Herrlichkeit (Berlin 1934) und Amries Vermächtnis (Berlin 1935), weiterhin Episoden aus George Hesekiels Der Schultheiß von Zeyst (Roman, Berlin 1875), Karl Wilkes' Das Haus des Dr. Prade (Leipzig 1930), Ernst Nackens Die Stellingger (Roman, Bielefeld 1933), Marianne Bruns' Das rechtschaffenen Herz (Potsdam 1939), Theodor Bohners' Die Woermanns (Berlin 1935), der erste Teil von Isabella Nadolnys Vergangen wie ein Rauch (Roman, 1955) sowie Marianne Webers Lebenserinnerungen (1948). Im Ravensberger Land spielen Lene Bertelsmanns Die Möller von Möllenbrock (Roman, 1934) und Der Marschall (Roman, 1972). Außerdem erwähnenswert: Bielefeld, ein Lesebuch. Die Stadt Bielefeld einst und jetzt in Sagen und Geschichten. Hrsg. von D.H. Klein und H. Rosbach (Husum 1988).
