Bochum-Linden

In Altendorf an der Ruhr kam 1847 der Arbeiterdichter Heinrich Kämpchen zur Welt. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Bochum-Linden, wo er auch 1912 verstarb. Von vielen anderen Dichtern seiner Zunft – zu nennen wären Max Barthel (1893-1975), Karl Bröger (1886-1944), Heinrich Lersch (1889-1936), Otto Wohlgemuth (s. Hattingen), der Ruhrlandkreis, Josef Winckler (s. Hopsten, Rheine u.ö.) und Paul Zech (1881-1946) – hatte Kämpchen zweifellos die größte Leserschaft, war er doch in den Jahren 1890-1912 in nahezu jeder Ausgabe der Bergmanns-Zeitung mit einem Gedicht auf der Titelseite vertreten.

In Kämpchens Gedichten tritt das Elend des Bergmanns ungeschönt vor Augen – etwa in Bergmannslos: »Das ist des Bergmanns früher Tod: / Er muß im Schacht / Tagtäglich scharren um sein Brot / In Dunst und Nacht. Gewerkschaft, Streik, Grubenunglücke – so konkret und plastisch war die Welt des Bergmanns zuvor noch nicht in die Literatur eingegangen.«

Erst auf Drängen der Freunde stellte Kämpchen seine Gedichte zu Einzelausgaben zusammen. Es sind Texte mit Gebrauchscharakter, keine ästhetischen Glanzlichter, die Kämpchen aufgrund seines bescheidenen Bildungsstandes auch kaum hätten gelingen können. Kämpchen, selbst seit seinem 16. Lebensjahr ›unter Tage‹, zählte Friedrich Schiller, Ferdinand Freiligrath (s. Soest, Detmold u.ö.), Georg Herwegh (1817-1875), Heinrich Heine (s. Paderborn, Unna) zu seinen literarischen Ahnen. Seiner hohen Schwester Annette von Droste-Hülshoff (s. Münster-Nienberge u.ö.) hat er ebenfalls ein Gedicht gewidmet.
Kämpchens Westfalenlied unterscheidet sich von den vielen überschwenglichen Westfalenhymnen durch einen kritischen Akzent:

»So haben oft schon deine Dichter / Im Lied dir den Tribut gezollt – / Ich aber ford're andre Richter / Und buhle nicht um Gunst und Gold. / Wohl will ich dich, Westfalen, preisen, / Doch ächten auch die harte Fron, / Womit man Kohle hier und Eisen / Gewinnt um einen Hungerlohn.«

Literarische Stätten: Kämpchen-Grabstätte (heute unter Schutz) auf dem katholischen Friedhof Bochum-Linden (Nöckerstraße), seit 1989 mit einer von Tisa von der Schulenburg gestalteten Gedenktafel bedeckt. Kämpchens Begräbnis wohnten Tausende von Menschen bei; sein Wohnhaus in Linden, Bahnhof-Straße 4 (heute: Dr. C. Otto-Straße 4), ist erhalten. Seit 1963 bestand für einige Jahre eine Heinrich-Kämpchen-Gesellschaft.

In Kämpchens Fußstapfen trat später der in Allenstein/Ostpreußen geborene Victor Kalinowski (1879-1940). Der Sohn eines Landarbeiters wurde nach der Schriftsetzerlehre und Wanderschaft im Ruhrgebiet seßhaft. »Von 1902 bis 1933 ist er Setzer in der Druckerei des »Alten Bergarbeiterverbandes« in Bochum, wird als einer der konsequentesten Dichter der freien Bergarbeiterbewegung nach der Auflösung des Verbandes durch die Nationalsozialisten arbeitslos gemacht und verfolgt, bis er nach mehrfachem Ortswechsel 1940 in Bielefeld stirbt. Sein Nachlaß wird von der Gestapo verbrannt, seine Witwe ins Zuchthaus gebracht.« (Renate von Heydebrand)

Bochum-Linden war der letzte Wohnort Ferdinand Krügers (s. Beckum, Ahlen). Von 1882 bis 1913 praktizierte er dort als Knappschaftsarzt.

Literarische Stätte: Sein Wohnhaus (Tusculum) in der Königsstraße 6 (jetzt Hattinger-Straße 863) ist heute halb verfallen; Ferdinand Krüger-Straße in Bochum-Linden; Gedenktafel im von Krüger begründeten Lindener Krankenhaus (heute St. Josefs-Hospital) mit Inschrift Dem Begründer des Lindener Krankenhauses.