»Die westfälische Heimat mit ihrem bäuerlichen Volk ist für mich der Tropfen, darin die Welt sich spiegeln soll.«
Dieser Satz Margarete Windthorsts (1884-1958) könnte gleichsam als Motto über ihrem schriftstellerischen Werk stehen. Die Nichte des Politikers Ludwig Windthorst (1812-1891) wurde 1884 in der Bauerschaft Hesseln am Fuße des Teutoburger Waldes geboren. Der Hülbrock-Hof, im Besitz der protestantischen Familie ihrer Mutter, den diese nach dem frühen Tod ihres Mannes Christian August Windthorst allein führte, wurde 1907 in Haus Hesseln umbenannt. Als Erbin des Hofes verbrachte die zum Katholizismus konvertierte Autorin hier fast ihr gesamtes Leben. Ländliche Abgeschiedenheit, Einklang mit der Natur und eine eigenständige, unorthodoxe Gläubigkeit bildeten Grundpfeiler ihres Schaffens. Die Autorin, die lange im Bann der Heimatkunstbewegung schrieb, entzog sich dem Kulturbetrieb der Nationalsozialisten schon bald, trotz einer dauerhaften Beziehung zu den weniger resistenten Friedrich Castelle (s. Dülmen, Ochtrup-Welbergen u.ö.) und Josefa Berens-Totenohl (s. Lennestadt-Saalhausen, Meschede-Grevenstein u.ö.).
»Mystischer Seelenflug und erdhafte Naturgebundenheit sind die Pole, zwischen denen sich das Dichten [Margarete Windthorsts] […] bewegt, […]. Sie hat eine lyrisch-mystische Dichtung geschaffen, für die sich in der westfälischen Literatur nichts Gleichartiges findet, aber noch mehr danken wir ihr eine epische Dichtung, in der mit beispielhaftem Realismus der bäuerliche Mensch in den Gesetzen und Bindungen seines Lebens und seiner Sitte dargestellt ist.« (Josef Bergenthal)
Literarische Stätte: Geburtshaus Gut Haus Hesseln; Grab auf der Familiengrabstätte, einem Privatfriedhof, der nur zu Fuß von Haus Hesseln aus zu erreichen ist; Windthorst-Zimmer im Museum Halle (Galerie), Kirchplatz 3 ; Nachlaß in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.