Herford

Weit in die Geschichte zurück geht das Schaffen des Heinrich von Herford (*um 1300 Herford – †1370), eines Dominikanermönches, der die mittelalterliche Weltchronik Liber de reroribus memorabilis verfaßte. Aus der Feder des Hieronymus Grestius (*um 1500 Herford – †Esens 1559) stammt eine niederdeutsche Reimchronik des Harlingerlandes (1429-1539).

Manche Irrungen und Wirrungen durchziehen den Lebenslauf von Karl Ludwig Costenoble (1769-1837), der 1769 in Herford als Sohn eines reformierten Predigers geboren wurde. Er erlernte das Bäckerhandwerk, sattelte aber um und gründete 1786 in Magdeburg ein Privattheater. Vier Jahre später verließ er die Stadt, um als Schauspieler sein Glück zu versuchen. 1792 gab er in Berlin ein erfolgloses Bühnendebüt. Nach unentgeltlichem Engagement in Wismar und Berlin wandte er sich dem Studium der Musik zu, um Kapellmeister zu werden. Mit verschiedenen Wandertruppen bereiste er im Jahre 1795 Bayreuth, Salzburg und Nürnberg, 1796 Magdeburg und 1798 Altona. Anschließend war er 17 Jahre lang in Hamburg Komödiant und Charakterschauspieler. Sein schauspielerischer Durchbruch gelang ihm 1818 am Wiener Burgtheater. In den folgenden Jahren spielte er vornehmlich klassische Rollen. Er verstarb nach Beendigung einer Gastspielreise 1837 in Prag. Costenobles vielfach nachgedruckte Memoiren und Tagebücher gelten als ergiebige Quellen der Theatergeschichte.

Aus Herford stammt auch die von Annette von Droste-Hülshoff hochgeschätzte Henriette von Hohenhausen (*1781; Pseudonym: Mathilde; Theodore), ihr »Tante Ittchen«. Seit 1822 wohnte sie ihm Hause ihres Bruders Leopold von Hohenhausen und ihrer Schwägerin Elise geb. von Ochs (s. Minden). Während eines mehrmonatigen Aufenthalts im Hause Elise Rüdigers (s. Münster) trat sie 1838/39 in Münster der Heckenschriftsteller-Gesellschaft bei und schloß dort Freundschaft mit der Droste. Sie verstarb 1843 während eines weiteren längeren Aufenthalts in Münster.

Henriette von Hohenhausen verfasste religiös geprägte Erzählungen, Gedichte und Jugendschriften. Sie war eine Verehrerin Klopstocks und Salis-Seewis'. Als solcher setzte ihr die Droste in ihrem Lustpiel Perdu! ein liebenswürdiges Denkmal. Sie widmete ihr außerdem zwei persönliche Gedichte. An den Schriften der älteren Freundin schätzte sie die anspruchslose Natürlichkeit, den Scharfsinn und eine tiefe Wahrheit, die wirklich rührt.

»Mein Vater war […] ein Mann, der als schöner Geist und als Rechtsgelehrter unter unseren berühmten Landsleuten einen nicht geringen Rang behauptet. Seine Eleganz, seine Sitten, sein gebildeter Geschmack, seine frohen Launen und seine gründlichen Kenntnisse hatten ihn in seinen jüngern Jahren dem berühmten Königl. Preußischen Minister, Grafen Gotter, so sehr empfohlen, daß dieser ihn sich zu seinem Gesellschafter wählte. […] Das Haus meiner Aeltern war ein Tempel der Musen und der Grazien, und ein Sammelplatz froher und gebildeter Menschen. Keiner der damals berühmten und zum Theil noch lebenden schönen Geister Deutschlands reiste durch hiesige Gegend, ohne mein älterliches Haus zu besuchen« – so Consbruchs Sohn über seinen Vater Florens Arnold Consbruch (*1729 Bielefeld – †Herford 1784). Die Schilderung findet sich in Peter Florens Weddigens (s. Bielefeld, Minden) Westphälischem Nationalkalender auf das Jahr 1801.

Consbruch entstammt einer bekannten Minden-Ravensbergischen Beamtenfamilie. Nach dem Jurastudium in Berlin und Halle war er Referendar in Minden und später Richter und Bürgermeister in Herford. 1747 gab er in Bielefeld sein erstes Gedicht, ein titelloses mehrseitiges Loblied auf Den so lang erwünschten Frieden und dessen Urheber, Friedrich II., heraus. Von sich reden machte damals auch seine Übersetzung von Racines Gedicht Die Gnade. In literarischer Hinsicht eiferte Consbruch Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Friedrich von Hagedorn nach. Während des 7jährigen Krieges gab er sein literarisches Schaffen auf. Für Consbruchs Versuche in westphälischen Gedichten (Frankfurt 1751) fand Gotthold Ephraim Lessing lobende Worte. Consbruch verfaßte weiterhin Poetische Erzählungen (Frankfurt 1750) und Scherze und Lieder (Frankfurt, Leipzig 1752).

Ein weiterer Herforder Schriftsteller ist der Arzt Carl Ludwig Storch (*1705 Herford – †1757). Sein Wohnhaus befand sich gegenüber der Neustädter Kirche im Menge'schen Hause Storch, Hämelinger Straße 2. Es wurde 1967 abgerissen. Heute steht dort ein Kleingeschäftshaus.

Weiterhin aus Herford stammt August Kühne (*1829 Herford – †1863 Wiesbaden; Pseudonym: Johannes von Dewall), Verfasser von Der Ulan (1872), Der rote Baschlik (1871) und von Kadettengeschichten (1877).

Schauplatz: In Herford spielen E. Dorns Die Aebtissin von Herford. 2 Bde. (Roman, 2. Aufl. Riga 1882), Wilhelm Frickes Anton Korbmacher. Der Bürgermeister von Herford (Erzählung, Bielefeld, Leipzig 1876), George Hesekiels Der Schultheiß von Zeyst (Roman, Berlin 1875), Hanna Klostermüllers Bilder aus der Geschichte Herfords: Sankta Herfordia (Detmold, Herford 1923), Rainer Papes Herforder Kuhschwänze. Heiteres und Kurioses aus Alt-Herford (Herford 1980), Carl Hermann von Schauenburgs Julie und ihr Haus. Eine Reliquie (Leipzig 1847), […] Schonewegs Drama Julius Quest. Das Schicksal des Herforder Schmiedemeisters und Wagenbauers (o.J.) sowie Gedichte von Hedwig Müffelmann, Fr. S. Deichfalke, Hanna Klostermüller, Karl von der Werre u.a.


Hinweise: Der Kreis Herford vergibt einen Kulturförderpreis, bei dem unter anderen auch Literaten Berücksichtigung finden.