»Mein Heimatdorf liegt dort, wo die Berge des Sauerlandes schon in die weite Ebene Niederdeutschlands hinübergeglitten sind. Die alte Stadt Soest ragt mit Türmen und Mauern in mein Jugendland hinein, und nicht weit abseits der Ackerflur meiner Ahnen ist Immermanns Hofschulze durch die Kornfelder der Börde geschritten.«
Heinrich Luhmann, von dem diese Worte stammen, geboren 1890 in Lippetal-Hultrop, gestorben 1978 in Hamm, war Lehrer in Kirchhundem und Soest, Kreisschulrat in Warendorf und Oberregierungs- und Schulrat in Arnsberg. Bereits während seiner Zeit im Sauerland trat er als Heimatschriftsteller und Förderer der sauerländischen Heimatbewegung in Erscheinung. Den literarischen Durchbruch erzielte er mit den Erzählbänden Die Heiligen in Holzschuhen (Legenden und Märchen, 1923) und Die frommen Spitzbuben und andere Geschichten (2. Aufl., Münster 1970). 1941 erhielt er den Westfälischen Literaturpreis. Viele seiner Erzählungen und landschaftlichen Schilderungen erschienen in der 1951 begründeten Zeitschrift Westfalenspiegel. Dort flossen auch viele seiner Bekenntnisse zur westfälischen Heimat ein.
»Mit seinen ersten Büchern […] möchte man ihn, auch wegen des liebenswürdig-humorvollen Erzählens, zum Wibbelt'schen Strang der Heimatdichtung zählen. Aber mit dem Übergang zu größeren Formen, zum Bauernroman, in Das Sündenwasser (1928), noch deutlicher in Pflug im Acker (1933) und in Der Bauernreiter (1936), zahlt auch er seinen Tribut an die Zeitströmung, stellt er in künstlich-archaisierendem Monumentalstil schreckliche Konflikte von Blut und Leidenschaft, Schuld und Schicksal auf seine Bühne; anders als bei Josefa Berens bleibt bei ihm jedoch der religiöse Horizont, wenigstens als Hintergrund für die Schuld-Problematik, immer noch spürbar.« (Renate von Heydebrand)
Literarische Stätte: Grab auf dem Hultroper Dorffriedhof; Wohnhaus mit Gedenktafel und Inschrift Der Dichter Heinrich Luhmann, Ehrenbürger der Gemeinde Hultrop, lebte von 1899-1913 in diesem Haus.
Schauplatz: In Hultrop spielen mehrere Romane Luhmanns, unter anderem Vogel Wunderlich (München 1926); Sündenwasser (München 1928); Das hungrige Leben (Leipzig 1933); Heimkehr. Eine Geschichte von Mutter und Kind (Freiburg 1935); Der Pflug im Acker (Bielefeld, Leipzig 1941).