Möhnesee-Völlinghausen

»Um den Schriftsteller Erwin Sylvanus, der 1985 in Soest starb, ist es still geworden, zumindest in Deutschland. Im Ausland, z.B. in England, scheint er jedoch nicht vergessen zu sein. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Sylvanus aus gesundheitlichen Gründen eher zurückgezogen, überwiegend in seinem Haus auf der Insel Ägina, er mußte seine Aktivitäten einschränken. Auch in dieser Zeit war er noch häufig auf Reisen. Sein ganzes Leben war er viel unterwegs, meist zu Studien, zu Probenarbeiten, zu Aufführungen oder Funkoder Fernsehaufnahmen; sein Terminkalender war gedrängt voll. Oftmals weilte er in Prag, in Skandinavien – Norwegen, Dänemark, Schweden –, fuhr nach Südamerika, mehrmals bereiste er mit seinen Dortmunder Kollegen Max von der Grün und Josef Reding die Sowjetunion. jahrelang hatte er einen Wohnsitz in der Schweiz und besaß zeitweilig eine Wohnung in England. Überall hat ergearbeitet: Die Gegenden, für Sylvanus immer auch geistige Landschaften, spiegeln sich in seinem Werk wider.« (Hans-Christian Müller)


Erwin Sylvanus (*Soest 1917) (s. Soest) lebte seit 1954 in Völlinghausen. Er entstammt väterlicherseits einer schlesischen Gelehrten-, mütterlicherseits einer Bergarbeiterfamilie aus dem Ruhrgebiet. Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Soest war er im Arbeitsdienst tätig und Soldat, erlitt eine schwere Verwundung, wurde freischaffender Schriftsteller, Regisseur und Dramatiker. Sein schriftstellerisches Anliegen umschrieb er damit, dass er gegen jeden Haß unter den Menschen kämpfen wolle. Sylvanus' literarische Anfänge standen noch ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Ideologie. Dies war ein Grund dafür, dass er beim Westfälischen Literaturpreis übergangen wurde. Als langjähriger Redakteur des Westfalenspiegel verhalf Sylvanus unter anderem seinem Freund Ernst Meister (s. Hagen-Haspe) zum Durchbruch.

Mit dem Namen Sylvanus ist vor allem sein Drama Korczak und seineKinderverbunden. 1957 von Hans Dieter Schwarze uraufgeführt, später auch als Fernsehfassung und Hörspiel umgearbeitet, wurde es überall in der Welt gespielt. Sylvanus wurde 1959 mit dem Leo-BaeckPreis und 1960 mit der Jochen-Klepper-Medaille ausgezeichnet. 1961 erhielt er ein Stipendium der Joseph-Winckler-Stiftung.

Literarische Stätte: Sein Nachlaß befindet sich in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.