Schmallenberg

»Da wollte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe etwas für die westfälischen Schriftsteller tun, da hatte sich auch, nach wiederum zweijähriger Vorbereitung, eine Stadt gefunden, die mitzog und Finanzmittel bereitstellte – und was wurde daraus, kaum daß die Sache richtig in Gang gekommen war? ein Dichterstreit, ja ein regelrechter Eklat, der einzige, den die westfälische Literatur der Nachkriegszeit überhaupt erlebt hat. Die Rede ist vom fast schon legendären Schmallenberger Dichtertreffen im Jahre 1956.« (Walter Gödden 1993)


Während des Schmallenberger-Dichtertreffens, des zweiten westfälischen Dichtertreffens nach dem Kriege, prallten zwei Dichtergenerationen aufeinander; jene heimatverbundenen Schriftsteller der älteren Generation um Josefa Berens-Totenohl (s. Lennestadt-Saalhausen, Meschede-Grevenstein), Maria Kahle (s. Olsberg) und Margarethe Windthorst (s. Halle-Hesseln) – also die früheren Preisträger des Westfälischen Literaturpreises – und auf der anderen Seite die der literarischen Moderne verpflichteten jungen Schriftsteller um Hans Dieter Schwarze, Paul Schallück (s. Warendorf) und Erwin Sylvanus (s. Soest, Möhnesee-Völlinghausen). Bei einer Diskussion über das verfängliche Thema Das Westfälische in der Literatur kam es zu einem Streit. Der Germanist Clemens Heselhaus stellte in einem Einleitungsreferat alles in Frage, was mit dem Begriff des Westfälischen zu tun hatte: Die Dichter aus Westfalen hätten keinerlei Gemeinsamkeit, es gäbe keine innerregionale Traditionsbildung, vielmehr hätten die Autoren jeder für sich geschrieben, seien eher geniale Dilettanten gewesen als Repräsentanten ein und derselben westfälischen Literaturschule. Für diese Thesen fand er bei den Jungen entschiedenen Zuspruch. Es bildeten sich zwei Fraktionen, eine tiefe Kluft tat sich auf.
»Die Folgen des Schmallenberger Dichtertreffens waren vehement und wirkten lange nach, eigentlich bis heute. Die Sache als solche – westfälische Dichtung um Westfalen willen – kam in Verruf. Es fand eine Art Umorientierung in der westfälischen Literaturlandschaft statt, und es kamen neue Namen ins Spiel. Die älteren Autoren traten dagegen in den Hintergrund. Überhaupt verlor das Thema des Westfälischen an Stoßrichtung. Die weitere Konsequenz: Der westfälische Heimatbund, der seinen Statuten gemäß stets Autoren gefördert hatte, die sich zu ihrer Heimat bekannten – eine sehr gezielte Förderung […] – zog sich weitgehend aus der Literaturförderung zurück. « (ebd.)
In Schmallenberg schlug zugleich die literarische Geburtsstunde Ernst Meisters (s. Hagen-Haspe), dessen Lesung in der Schmallenberger Festhalle großes Echo fand. Über die Großlesung an diesem Abend berichtete der Westfalenspiegel später: Doch das ungewöhnlichste und wohl nachhaltigste Erlebnis für die Autoren war der öffentliche Dichterabend in der Schmallenberger Stadthalle »Westfalens Dichter lesen aus ihren Werken«. Über tausend (Eintritt zahlende!) Zuhörer füllten die festlich geschmückte weite Halle! In keiner Großstadt würde dieser Abend eine solche Anteilnahme geweckt haben. […] Selbst aus Siegen und Arnsberg, aus Olpe, Neheim und Menden waren die literarisch interessierten Menschen, zum Teil in Omnibussen, nach Schmallenberg gekommen […]. Alt und Jung – westfälisch oder nicht westfälisch – kamen gleichermaßen zu Wort, ohne dass auf einer Seite daran Anstoß genommen worden wäre.


Im Sauerländischen wirkte Hedwig Jungblut-Bergenthal (*1914 Schmallenberg – †1987). Die Zahntechnikerin, Zahnkeramikerin und Sprechstundenhilfe beteiligte sich mit Beiträgen im Sauerländer Platt an Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern.


Literarische Stätte: Grab auf dem Schmallenberger Friedhof.


In Schmallenberg-Bracht lebte seit ihrer Heirat im Jahre 1905 Christine Koch (s. Eslohe). Hier war sie bis zu ihrem Tod 1951 Mutter von vier Kindern, Bäuerin und Gastwirtin.


Literarische Stätte: Grab auf dem Dorffriedhof mit der Inschrift auf dem Grabkreuz: »Wille Räosen weyt int Land, / Ströggere deyne laiwe Hand, / Van Hiemelsräosen niu ne Kräun, / Sey in diär Aiwegkeit deyn Läun«. Gedenktafel am Wohnhaus; Inschriften mit Versen von Christine Koch auf den Balken alter Fachwerkhäuser in Bracht; Christine-Koch-Archiv in Eslohe, Heimat- und Schieferbergbaumuseum.


In Schmallenberg-Fleckenberg verstarb 1979 mit Hanna Rademacher (*Nürnberg 1881) eine in ihrer Zeit vielgelesene und vielseitige Autorin. Ihre produktivste Phase fiel in die Düsseldorfer Zeit. In den Jahren 1914 bis 1937 schrieb sie Dramen und Komödien, die ihre Uraufführung an großen und bekannten Bühnen erlebten: Leipzig, Saarbrücken, Bochum, Düsseldorf.

 

»Ihr erstes bekanntes Stück Johanna von Neapel wurde bei Rowohlt in Leipzig verlegt, dann gründete ihr Mann einen eigenen Verlag, in dem er ihre Schauspiele herausgab.«  (Dietmar Rost)

 

Begraben ist sie auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.


Literarische Stätte: Ihr Wohnhaus war das ehemalige Ferienhaus Tors Hütte.