Stadtlohn

In Stadtlohn erinnert eine Gedenktafel an der alten Apotheke am Markt mit dem Gedicht Grenzstadt in der Dämmerung daran, dass ihr früherer Inhaber, Erich Jansen (1897-1968), nicht nur Apotheker, sondern im Zweitberuf auch Lyriker war. Zu Lebzeiten hätte Jansen die Tafel mit den schwierigen Versen nicht anbringen lassen. Zu groß war seine Scheu vor dem Mißverstandenwerden.

Ein Brief Jansens an seinen Dichterkollegen Norbert Johannimloh greift dies resignativ auf:

»Der Leser hat keine Beziehung zu meiner ihm fremden Bilderwelt. Dränge ich mich auf, d.h. werde ich gedruckt, antwortet er mir mit Unbehagen und oft genug mit Bosheit.«

Jansens Lyrikband Die nie gezeigten Zimmer beschließen die Worte »Die Welt kennt keine Poesie«.
Der Zugang zu Jansens naiv-versponnener, teilweise surrealer Lyrik ist in der Tat nicht leicht. Der Kreis seiner Verehrer ist denn auch klein, wenngleich prominent: Hohes Lob zollte ihm Johannes Bobrowski: welche Genauigkeit im sprachlichen Kalkül, wodurch doch nirgends die freie Bewegung, das Leben der Bilder beengt wird, welche Kunst also – und dabei welcher Charme. Den großen Durchbruch hat Jansen nicht geschafft, vielleicht steht seine eigentliche Entdeckung noch bevor.

Literarische Stätten: Jansens Geburts- und Sterbehaus war die Adler-Apotheke (Am Markt 4); Das genannte Gedicht, das sich auf den Marktplatz in Stadtlohn bezieht, wurde von dem in Vreden lebenden Künstler Walter Wittek in Gips geschnitten und dann in Bronze gegossen; Jansens Grab befindet sich auf dem Städtischen Friedhof.

Schauplatz: Bezug auf Stadtlohn nimmt Richard Euringers Öhme Örgelkösters Kindheit (Erzählung, 1936). Euringer lebte einige Zeit in Stadtlohn.