Münster-Wolbeck

Der frühexpressionistische Dichter Jakob van Hoddis (1887 Berlin – 1942 Deportation nach Polen, Ermordung in Sobibór; eigentlich Hans Davidsohn) hielt sich vom 5. September bis zum 8. Oktober 1912 zu einer Nervenbehandlung in einem privaten Kurhaus in Wolbeck auf. Hoddis hatte gemeinsam mit Kurt Hiller 1909 in Berlin den Neuen Club gegründet, der 1910 im Neopathetischen Cabaret an die Öffentlichkeit trat. Sein Gedichtband Weltende, eine »Westentaschenapokalypse« (Peter Rühmkorf) markierte 1911 den Auftakt des expressionistischen Zeitalters. Aufgrund seiner Geisteskrankheit wurde Hoddis von den Nationalsozialisten ermordet.


Über das ehemalige Sanatorium heißt es in einer Erinnerung: »An der vom Zentrum mit dem alten Drostenhof wegführenden Hofstraße ducken sich heute wie damals ein- und zweistöckige Klinkerhäuser. Ganz hinten, dort wo der Münsteraner Stadtteil in melancholische Landschaft übergeht, stehen die Gebäude des Sanatoriums, das von etwa 1880 bis zu den ersten sechziger Jahren als solches betrieben wurde. Dann war in den drei stattlichen Häusern ein Altenpflegeheim untergebracht, und nun dienen sie notdürftig Wohnzwecken. Die Bushaltestelle an der anderen Straßenseite heißt aber noch Kurhaus.« (Helmut Hornbogen)