Kann man Literatur attraktiv ausstellen? Zweifellos kann man Bücher ausstellen. Das ist einfach. Was aber sagt ein noch so schöner Buchrücken aus? Die Stichworte des im Literaturmuseum Haus Nottbeck verwirklichten Konzeptes lauten Visualisierung und Inszenierung. Es war eine besondere Herausforderung, Alt (das historische Rittergut) und Neu (eine moderne Ausstellungsgestaltung) im harmonischen Gleichklang zu präsentieren. Die atmosphärische „Wärme“ des Gebäudes blieb erhalten. Sie wird auch mit moderner Technik bereichert. Auf ein High-Tech-Museum wurde jedoch bewusst verzichtet.
Das Museum für westfälische Literatur ist ein lebendiges Museum. Es macht Angebote für „Jedermann“. Man muss kein Insider oder Literaturexperte sein, um auf seine Kosten zu kommen. Ganz im Sinne von Hans Magnus Enzensbergers „Museum der modernen Poesie“ ist es zwar vergangenheitsorientiert, möchte aber unmittelbar in die Gegenwart hineinwirken. So werden Literaturgeschichte(n) auf zeitnahe Weise erzählt und Literaturwelten möglichst neu entworfen. Dafür sind vielfältige Aktivitäten rund um das Thema Buch und Literatur unverzichtbar. Dabei sollen auch die Kontakte zur bildenden Kunst und Musik genutzt werden. Wissenschaftlich konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Walter Gödden. Die gestalterische Umsetzung erfolgte durch den Amerikanischen Designer Robert Ward. Das Museum für Westfälische Literatur wird in enger Kooperation mit der Literaturkommission für Westfalen geführt.
Das Erdgeschoss des Museums bietet eine Zeitreise durch die westfälische Literatur von den Anfängen bis zum Jahr 1900. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen jene Themen, die Leser und Publikum querbeet durch die Epochen interessiert, bewegt, oft auch schockiert haben Themen sind zum Beispiel „Fanatismus und Aberglaube“ in der Täuferzeit, „Simplizissimus in Westfalen“, „Kuriosa“, „Voltaires Westfalenspott“, das „Westfälische Weimar“ zur Zeit der Fürstin Amalie von Gallitzin. Natürlich dürfen auch die „Großen“ der westfälischen Literaturgeschichte nicht fehlen: die auch für die heutige Zeit ungemeine „moderne“ Droste, das dramatische Genie Christian Dietrich Grabbe und der Revolutionsdichter Ferdinand Freiligrath.
Im Obergeschoss werden Autoren des Kreises Warendorf vorgestellt (u.a. Augustin Wibbelt und der Warendorfer Paul Schallück) sowie Themen, die sich wie ein roter Faden durch die westfälische Literaturgeschichte ziehen: Heimatbewusstsein, Politik, Gesellschaft, Moderne. Das Spektrum reicht von heimatlicher Kitschliteratur bis zur Avantgarde und zum Dadaismus. Im „Cyber-Room“ kann man 16 Gegenwartsautorinnen in Wort und Bild kennen lernen. Die Rubriken sind Lyrik, Prosa, Satire und Krimi. Ein Video-Pavillon zeigt den Film „Warum schreibe ich?“, in dem westfälische Autoren aller Epochen sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage geben. Der Pavillon ist inspiriert von Lesepavillons der Barockzeit.
Das Kellergeschoss ist der westfälischen Kinder- und Jugendliteraturszene von Anno dazumal bis heute gewidmet. Im schaurig-schönen Gewölbekeller ist die akustische Installation „Schlossgespenst trifft Straßengnag“ zu erleben.
Eigene Elemente der Literaturvermittlung bilden die überall im Museum zu findenden Hörstationen. Hier kann man via Kopfhörer ca. zehnminütige Literaturfeatures zu Themen der westfälischen Literatur hören. Zahlreiche Schriftsteller, vor allem Gegenwartsautoren, liehen dem Museum ihre Stimme. Die O-Ton-Einspielungen gehen über die bloße Aneinanderreihung von Dichterstimmen weit hinaus. Sie bilden vielmehr lebendige Features, die die Themen der Ausstellung ergänzend kommentieren bzw. konterkarieren.
Die Bibliothek hat den Charakter einer umfassenden Wissenszentrale. Hier finden Sie Literaturlexika und Nachschlagewerke, Literaturzeitschriften sowie Informationen über westfälische Literaturbüros, literarische Gesellschaften, Literaturstiftungen und weitere Institutionen, die sich mit westfälischer Literatur beschäftigen. Dem Besucher stehen weitreichende Recherchemöglichkeiten offen. An einer PC-Datenbank sind Informationen zu mehr als 2000 westfälischen Autoren abrufbar. Eine Audiothek bietet einen Querschnitt durch die westfälische Hörspielproduktion.
