»Das ist dort hinter den Weiden, / Das Dörfchen treu und gut, / Der einzige Winkel der Erde, / Wo meine Seele ruht.«
»Ich war«, so erzählte Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894) (s. Bad Driburg u.ö.) einem Freunde, »da ich Dreizehnlinden ernstlich zu schreiben anfing, kein junger Mensch ohne Gedanken, da war ich 57 Jahre alt […] Ich hatte schon einige Jahre lang, ehe ich einen Buchstaben niederschrieb, mich mit der Idee getragen, die Zeit des Überganges unseres engeren Vaterlandes zum Christentum, ich will sagen, die Christianisierung unseres Landes irgendwie dichterisch darzustellen; einen bestimmten Plan hatte ich noch gar nicht, aber ich studierte doch fleißig die Vorzeit unseres Volkes, las Grimms Mythologie, deutsche Rechtsaltertümer, Geschichte der deutschen Sprache, Simrocks Mythologie, Ihres ›Glossarium Suigothicum‹ usw.«
Friedrich Wilhelm Weber kam im heutigen Driburger Ortsteil Alhausen zur Welt. Das Dreizehnlinden-Epos ist sein reifstes Werk. Es wurde zu einer Art westfälischem Volksepos und erreichte annähernd eine Millionenauflage. Bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gehörte es zur Schullektüre. Die weite Verbreitung im westfälischen Raum erklärt sich vor allem aus dem katholischen und heimatverbundenen Grundcharakter des Werkes. Wenn Weber die Westfalen als »fromm, sinnig, weich, nicht überzart, / Zäh, treu, auch trotzig, deutsche Leute« charakterisierte, so stiftete das in weitem Maße Identifikation.
Heimatbekenntnisse durchziehen Webers gesamtes Werk und viele seiner Briefe. Er mochte die Großstadt nicht, und sehnte sich, als er in Greifswald und Breslau Medizin studierte, in die Heimat zurück. Dennoch hat er kein ›Trautes Heim bringt Glück allein‹ propagiert. Seine Tätigkeit als Abgeordneter der Zentrumspartei im Berliner Parlament, vor allem aber sein Beruf als Arzt schärften seinen sozialen Sinn und prägten die realistische Ader seiner Dichtung. Webers christlich-katholisches Ethos ist meist ohne Überschwang, häufig auch resignativ.
In seiner Spruchdichtung wandte sich Weber, dem der Beiname ›der rote Weber‹ verliehen worden war, gegen die »Materialisten, die leeren Schwätzer und die Grundgescheiten«. Politische Programmgedichte darf man von ihm freilich nicht erwarten. Er behauptete von sich: »Politik ist niemals mein eigentliches Element gewesen.« Es gibt aber auch den deutsch-nationalen Weber, der den Untergang des französischen Kaiserreiches mit Versen beschwor wie: »Poetenwort, Prophetenwort! / Mein frommes Volk, nun schlage drein, / Und wasche dir nach blut'gem Werk / Die Händ' im deutschen Rhein!«
Weber hielt sich nicht für einen bedeutenden Dichter. Seinen späten Erfolg nahm er kaum zur Kenntnis. Wichtiger war ihm sein Beruf als Arzt, den er in Bad Driburg und Bad Lippspringe ausübte. Überall genoß er große Sympathien. Eine Neuentdeckung seiner Schriften ist heute nicht in Sicht. Dadurch drohen viele durch ihre Schlichtheit beeindruckende Verse in Vergessenheit zu geraten.
Literarische Stätte: Geburtshaus am Dreizehn-Linden-Weg. Das Haus dient heute als Friedrich Wilhelm Weber– und Heimatmuseum. 1988 wurde es um drei Ausstellungsräume erweitert. Das nach einer Inschrift 1793 errichtete Gebäude ist ein Kleinbauernhaus und beherbergte ursprünglich rechts von der Deele Wohnstube und Küche, links Ställe für zwei Pferde und drei oder vier Kühe, dazu einige Upkammern. Bei der Einrichtung wurde darauf geachtet, Innenräume und Ausstattung so dokumentarisch wie möglich zu gestalten. So hängt an der offenen Bodenluke das Aufziehseil, wurde die in Fachwerk erneuerte Wand, hinter der einst Pferde- und Kuhställe gewesen waren, mit Klappen für die Krippen versehen, hängt in der Küche mit ihrem schwarz-rußigen Rauchfang der Kupferkessel am Schwenkbalken über der offenen Herdstelle. Im früheren Wohnzimmer der Familie werden heute Erinnerungsstücke gezeigt, Handschriften unter Glas, ein selbstgeschnitztes Haselkreuz, Webers Laute und Webers Pultschrank. Die früheren Ställe dienen als Heimatstube. Webers Eltern nutzten sie als Krämerladen, mit dem eine Wirtschaft verbunden war, nachdem Webers Vater den Beruf als Gräflich-Asseburgischer Förster aufgegeben hatte.
Seit 1951 besteht die Vereinigung der Freunde des Dichters Friedrich Wilhelm Weber , die sich der Pflege des Museums und des Werkes von Weber angenommen hat. 1987 ist mit ihrer Unterstützung ein erstes Friedrich-Wilhelm-Weber-Jahrbuch erschienen.




