Das bekannteste Werk des Bocholters Melchior von Diepenbrock (1798-1853), des späteren Kardinals und Fürstbischofs von Breslau, war seine Anthologie mit katholischer Erbauungslyrik Geistlicher Blumenstrauß aus christlichen Dichtergärten, den Freunden heiliger Poesie dargeboten (1829). Mit ihr machte er spanische Mystiker in deutschen Nachdichtungen bekannt. Das Werk enthält außerdem die erste deutsche Übersetzung von Calderóns Das Leben ein Traum sowie Lieder Luise Hensels (s. Paderborn, Rheda-Wiedenbrück u.ö.) und anonyme Gedichte Clemens Brentanos (s. Dülmen, Coesfeld).
»Neben [dem Bischof Johann Michael] Sailer spielt Clemens Brentano, mit dem Diepenbrock seit der Bocholter Begegnung befreundet ist, eine große Rolle für sein geistiges Schriftstellern. Brentano schrieb ihm Vorreden – so für die Fénélon-Biographie, verschaffte ihm Verleger – so für die Seuse-Ausgabe, gab ihm mehr oder weniger befolgte Anregungen, und schließlich schrieb Brentano selbst in Diepenbrocks Nähe 1832/33 die Gesichte der Emmerick über das »Bittere Leiden unseres Herrn« nieder.« (Clemens Heselhaus)
1845 stand Diepenbrock mit Annette von Droste-Hülshoff (s. Münster-Nienberge u.ö.) im Briefwechsel. Für ihn verfaßte sie ihr Programmgedicht Das Wort (1845).
Diepenbrocks Bruder, Konrad Joseph von Diepenbrock (1808-1884), gründete 1848 die erste Freie Zeitung Deutschlands und veröffentlichte neben mehreren Gedichtbänden den Roman Ein deutscher Gil Blas oder Das abenteuerliche Leben Friedrichs von Horst (1857).
Literarische Stätten: Gedenktafel für Melchior von Diepenbrock an der Rückseite eines Kaufhauses am ehemaligen Standort seines Geburtshauses; Mosaik in der Diepenbrock-Schule; Nachlaß und Ausstellungsobjekte in der Kunstkammer der St. Georg-Kirche (St. Georg-Platz 2-4); Briefe, Bildnisse und Literatur im Stadtarchiv. Das Schloß Diepenbrock, ein 1324 erbauter Rittersitz mit einer Parkanlage, ist nur von außen zu besichtigen.
Hinweise: Bocholt veranstaltet regelmäßig einen Kulturwettbewerb mit der Berufung eines Stadtliteraten und eines Stadtkünstlers.


